„Immer volle Pulle“: Geldstrafe nach Verfolgungsfahrt

Lüdenscheid - Als der junge Mann am späten Abend des 26. Januar hart auf dem Pflaster der Oedenthaler Straße landet, im Griff der Polizei und mit gefesselten Händen, ist eine rasante Verfolgungsfahrt zu Ende.

Beamte in mehreren Funkwagen und eine Zivilstreife hatten den 24-Jährigen filmreif kreuz und quer durch die Stadt gejagt – mit zeitweise 140 km/h. Das Urteil: 750 Euro Geldstrafe und sechs Monate Führerschein-Sperre wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

„Ich wollte nur zum Sport“, sagt der Angeklagte. „Und dann ist es passiert. Das war nicht geplant, das so was daraus wird.“ Aber dann hätte er sich besser unauffällig verhalten. Zumal er im Polo seines Vaters unterwegs war, ohne Führerschein. „Ich habe noch nie einen gehabt.“ Mal in der Fahrschule gewesen, durch die Theorieprüfung gerasselt, „und dann nicht weitergemacht“. Gelernt hat er Kfz-Mechatroniker, ist aber als Hilfsarbeiter tätig. „Ist halt schwierig ohne Führerschein.“

Das alles wissen die beiden Zivilpolizisten nicht, als ihnen der Polo auf der Volmestraße auffällt. „Der ist ziemlich zügig auf die Kreuzung zugefahren und hat dann eine Vollbremsung gemacht“, erinnert sich ein 56-jähriger Polizist. Sein Kollege und er wollen den Mann anhalten – da gibt der Vollgas: die Lösenbacher Landstraße hoch, am Kreishaus vorbei, „immer volle Pulle“, so der Zeuge, weiter über die Rahmedestraße, dann nach rechts auf die Altenaer Straße, wo ihn zwei entgegenkommende Streifenwagen abfangen sollen, er aber düst den Eselsrücken hoch, biegt nach rechts auf die Bahnhofsallee ein, schlingert durch die Kurve am Weißen Pferd, kürzt über die Tankstelle ab, wendet nach ein paar Metern und rast in Richtung Altena, mehrere Polizeiautos hinter sich, nach links durch Gevelndorf und schließlich auf die Oedenthaler Straße.

„Ich habe Panik bekommen, da habe ich die Flucht nach vorne angetreten.“ Der Test auf Alkohol und Drogen ergibt nichts Auffälliges. Strafrichter Andreas Lyra fasst zusammen: „Sie haben einfach nur Schiss gehabt.“ Auf die Frage, ob es eine „konkrete Kollisionsgefahr“ gab, sagt der Polizist „Nein“. Die Staatsanwältin sagt: „Es ist nur einem riesigen Zufall zu verdanken, dass nicht mehr passiert ist.“ Sie beantragt eine Geldstrafe von 450 Euro.

Der Richter erhöht auf 750. „Wer so durch die Stadt rast, stellt eine Gefahr dar.“ Und: „Man hat den Eindruck, dass das hier nur die Spitze des Eisberges ist.“ Der 24-Jährige akzeptiert das Urteil.

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