Gabi Gutland sieht Besitzer in Mitverantwortung

Giftköder: Lüdenscheider Hundehalter sind in Panik

Monika Dobner, Vorsitzende und Gründerin der Lüdenscheider Pfötchenhilfe, hat in Zusammenarbeit mit Hundetrainerin Gabi Ingenerf kurzfristig Hundekurse veranstaltet, bei denen die Besitzer lernen, wie sie ihre Hunde anleiten, nichts aufzunehmen. Der Erlös dieser Kurse ist für einen guten Zweck bestimmt. -  Foto: Grégoire

Lüdenscheid - Gabi Gutland ist schlichtweg verzweifelt. Die 42-jährige Lüdenscheiderin ist seit ihrem 18. Lebensjahr blind und somit auf Blindenführhunde angewiesen. Für sie sind die derzeitigen Attacken auf Hunde in Form von Rattengift- oder Klingenköder eine doppelte Katastrophe.

Wie bereits berichtet, wurden in den vergangenen Wochen immer wieder Angriffe auf Hunde mittels Ködernausgeführt. So nahm in Othlinghausen ein Hund mit Cuttermesserklingen versehene Bockwürstchen auf und musste stundenlang notoperiert werden. Im Bereich Dickenberg wurden Frikadellen mit Messerklingen gesichtet. Am Randgebiet zu Altena lagen Wurststücke mit Messerklingen sowie Giftköder. Im Loher Wäldchen waren Rattengift-Köder ausgelegt.

Die Hundehalter sind derzeit regelrecht in Panik. In verschiedenen Lüdenscheider Facebook-Gruppen (Hundefreunde Lüdenscheid / Lüdenscheider Pack Walk) kochen die Emotionen.

Bei Gabi Gutland macht sich Hilflosigkeit breit. „Wie kommt es zu solchen Angriffen auf Hunde?“, fragt sie sich und nimmt die Hundehalter in die Pflicht. „Wenn sich jeder Hundebesitzer ordnungsgemäß verhalten würde, kämen viele Probleme gar nicht auf.“ Wie oft sind sie oder ihr Hund schon von freilaufenden Hunden angegangen worden, wie oft kommt es vor, dass Hinterlassenschaften der Tiere auf Gehwegen nicht entfernt werden? Rücksichtnahme gäbe es heutzutage kaum noch, klagt Gabi Gutland.

Gabi Gutland ist seit ihrem 18. Lebensjahr blind und somit auf Blindenführhunde angewiesen.

Die Anzahl an Hunden sei in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert, hat sie festgestellt, viele Wiesen seien aufgrund des Hundekots kaum noch zu betreten.

Nun vermutet sie, dass Hundehasser Rache üben, ihre Wut an den Tieren auslassen. Das Problem liege jedoch meist an dem Zweibeiner am anderen Ende der Leine.

Auch von der Stadtverwaltung fühlt sich die blinde Frau alleingelassen. „Von der Hundesteuer könnten Hundekotbeutelspender oder zumindest ausreichend Mülleimer für die Hinterlassenschaften der Tiere aufgestellt werden. Verstärkte Streifen des Ordnungsamtes könnten Hundebesitzer zu ordnungsgemäßem Handeln verleiten.“ Solidarität unter Hundebesitzern sei gefragt.

Der Blindenführhund Ortwin hat für Gabi Gutland nicht nur einen emotionalen, sondern auch finanziellen Wert. Die Ausbildung solcher Hunde ist sehr kostspielig. Zwar wurde auch Ortwin ausgebildet und nimmt normalerweise am Wegesrand nichts auf, aber allein rassebedingt sieht Gabi Gutland ein großes Problem. „Der Labrador ist nun mal extrem gefräßig“, weiß sie.

Mit Ortwin traut sich Gabi Gutland derzeit kaum noch vor die Tür – und auch unter den sehenden Hundebesitzern herrscht Schockzustand. Viele haben Maulkörbe für die Tiere gekauft, in der Hoffnung, dass die Hunde dadurch nichts aufnehmen. Monika Dobner, Vorsitzende und Gründerin der Lüdenscheider Pfötchenhilfe hat in Zusammenarbeit mit Hundetrainerin Gabi Ingenerf kurzfristig Hundekurse veranstaltet, bei denen die Besitzer lernen, wie sie ihre Hunde anleiten, nichts aufzunehmen. Der Erlös dieser Kurse ist für einen guten Zweck bestimmt. Am Donnerstag, 28. Mai, ab 20 Uhr findet im Bürgerschützenheim ein Stammtisch der Lüdenscheider Pfötchenhilfe statt, Thema sind die Köder-Angriffe.

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