Kunst für Kaffee und Brötchen

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Johanna Ey zählt zu den Frauen, die oft und gern gemalt wurden. Auch Heinz Wever zeichnete sie. Das Bild hing zu Beginn der Ausstellung aus.

Lüdenscheid - Sie war eine ungewöhnliche Frau, der die Stadt Düsseldorf gleich mehrere Denkmäler gewidmet hat: Johanna Ey, beeindruckende Körperfülle, die runde Brille mit starken Gläsern als Markenzeichen und eine unbändige Liebe zur Düsseldorfer Altstadt und den Künstlern, die in ihrem Café ein und aus gingen. Künstler, zu denen auch der Herscheider Heinz Wever während seiner Düsseldorfer Studentenzeit gehörte.

In den sechziger Jahren forderte Heinrich Böll bereits ein Denkmal für „Mutter Ey“. Dokumentationen wurden geschrieben, Ausstellungen mit Bildern der „Ey-Künstler“ zusammengestellt, es gibt eine Oper, ein Theaterstück, einen Spielfilm. Im Rahmenprogramm der Wever-Ausstellung in den Museen und der Städtischen Galerie wird am Sonntag, 21. August, die Freiburger Autorin Ute Bales zu Gast sein (18 Uhr). Sie setzte sich intensiv mit der Figur der Johanna Ey auseinander und entwickelte daraus einen Roman – „Großes Ey – die Lebensgeschichte der legendären Kunstförderin Johanna Ey“, den sie an diesem Abend vorstellt und aus dem sie lesen wird.

Der Roman beginnt mit einem Überfall junger Nazis auf Johanna Eys Galerie. Sie ist Bäckerin und Versorgerin der jungen Akademiestudenten, frisch geschieden, Mutter von 12 Kindern. Ihr Café wird schnell zum Treffpunkt der Studenten. Kaffee und Brötchen sind billig, wer kein Geld hat, darf anschreiben lassen. Heinz Wever ist der erste, der ihr, als er nicht zahlen kann, einen Tausch anbietet: Bilder gegen Essen. Bezahlen mit Kunst – Johanna Ey ist einverstanden und eröffnet schließlich mitten im Ersten Weltkrieg eine Kunsthandlung.

Ute Bales beschreibt eine tobende Bevölkerung, die kein Verständnis für diese Form der Kunst aufbringt, und eine Protagonistin, die an ihre Künstler glaubt. Boykottzettel der Nazis kleben irgendwann an ihren Schaufenstern, die Galerie wird zum Einfallsraum für die Nazis und gleichzeitig ein Treffpunkt für Kommunisten, Exilanten, Verfolgte.

1921 zeigte „das Ey“ in ihrer Galerie die erste Einzelausstellung des Brühler Malers Max Ernst, 1926 präsentierte sie auch Bilder von Paul Klee und Pablo Picasso. Berühmt und gefeiert – ihre Galerie wurde das Zentrum der rheinischen Künstler-Avantgarde, sie selbst eines der am meisten gemalten Motive ihrer Zeit. Über die Beweggründe für ihren Roman sagt die 1961 in der Eifel geborene Autorin Ute Bales: „In Johanna habe ich eine starke Frauenfigur gefunden, die nicht nur für die rheinischen Künstler des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle gespielt hat, sondern auch als Frau beeindruckt.“ Am 27. August 1947 starb die Kunstmäzenin in Düsseldorf.

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