Ärmliche Joppe und ein abgetragener Filzhut

Johanna Ey wurde nach einer gescheiterten Ehe zu einer der wichtigsten Kunstförderinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Lüdenscheid - Sie heißen Karl Blech, Arthur Kaufmann, Walter Ophey, August Deusser oder auch Heinz Wever. Unterschiedliche junge Männer, unterschiedliche Ansichten über das Leben, die Heimat, den Kaiser. Eines aber eint sie: Die Liebe zur Kunst. Sie sind Studenten an der Kunstakademie in Düsseldorf in einer Zeit, als die beginnende moderne Kunst noch brotlos war. Sie treffen sich in einer Kaffeestube, die die Düsseldorferin Johanna Ey an der Ratinger Straße 45 eigentlich eher aus Verzweiflung und dem täglichen Kampf ums Überleben aufgemacht hat. Die Freiburger Schriftstellerin Ute Bales hat das Leben der Johanna Ey aufgearbeitet und daraus einen Roman entwickelt: „Großes Ey – die Lebensgeschichte der Johanna Ey“, erschienen im Rhein-Mosel-Verlag.

Ute Bales hat in ihren bisher aufgelegten Büchern historische Personen und Geschichten aus der Eifelregion in den Mittelpunkt gerückt. 2012 veröffentlichte sie ihren Roman „Unter dem großen Himmel“, eine Künstlerbiographie des aus Ahrweiler stammenden Malers Pitt Kreuzberg. Mit „Großes Ey“ wendete sich die Autorin der Düsseldorfer Kunstszene zwischen 1900 und 1945 zu.

Was auffällt, ist die detailgetreue Recherche. Die kunsthistorischen Nachforschungen der Autorin sind unübersehbar. Nicht direkt im Mittelpunkt, aber doch auf vielen der knapp 500 Seiten erwähnt wird der Lüdenscheider Maler Heinz Wever. Als Kunststudent aus dem Sauerland beschreibt Ute Bales den Maler, der eines Tages mit einer ärmlichen Joppe und einem abgetragenen Filzhut auf dem wirren Haar in der Kaffeestube der Johanna Ey auftaucht und seinen Kaffee mit einem Bild bezahlen will, eingewickelt in Zeitungspapier. Kränzgenbach im Sauerland hat er damals gemalt, eine Flusslandschaft mit knorrigen Bäumen. Das Bild ist eines der ersten die Johanna Ey in „Kommission“ nimmt, um den jungen Malern ihr Leben zu ermöglichen.

Ute Bales ist am morgigen Sonntag zu Gast in den Museen der Stadt, die in enger Kooperation mit der Städtischen Galerie eine umfangreiche Wever-Schau zeigen. Sie liest ab 18 Uhr aus ihrem Roman vor und wird sich ohne Zweifel auf jene Stellen konzentrieren, in denen Heinz Wever in ihrem Buch Erwähnung findet, beispielsweise dort, wo Wever auf Heimaturlaub von seinen Erlebnissen an der Front berichtet.

Natürlich steht in dem Roman Johanny Ey im Zentrum des Geschehens. Aber die Geschichte um ihr Leben und Wirken vermittelt lesenswert Kunstgeschichte, mehr noch, sie erzählt die Geschichte der Kunst, ihren Wandel vor und nach dem Krieg, erzählt von den Sorgen und Nöten der jungen Maler und kündet auch davon, wie leer die Köpfe der Studenten nach dem Krieg waren und wie sehr die einst vor Strichelei-Ideen nur so sprühenden Maler damit zu kämpfen hatten, ihre eigenen Fronterlebnisse zu verarbeiten. Ute Bales wird im Anschluss an die Lesung Bücher signieren, der Roman kann am Leseabend vor Ort erworben werden. Der Eintritt kostet vier Euro.

Großes Ey“, Ute Bales

ISBN 978-3-89801-078-8

13,50 Euro

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