Kompliziertes Lüftungssystem

OP-Sanierung im Klinikum: Erstes Drittel ist fast geschafft

Für den Einsatz von Hüftprothesen greifen Dr. Lena Schury (r.) und Angela Stroh, Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin, zur Raspel, um den Knochen auf den Millimeter zu öffnen.

Lüdenscheid  - Trockenboden, Lüftungssegmente, Dehnungsfugen, Modulbau – die Begriffe gehören nicht zum klassischen Sprachgebrauch eines Anästhesisten. Und doch ist für Prof. Dr. Dr. Thomas Uhlig das Baulexikon längst ein täglicher Begleiter.

Der Direktor der Klinik für Anästhesie, Operative Intensivmedizin, Schmerztherapie und Rettungswesen kümmert sich seit Monaten um eines der größten Projekte der Märkischen Kliniken in Hellersen. Der Operationstrakt, mittlerweile mehr als 30 Jahre alt, wird komplett umgebaut. Ende des Jahres soll die Maßnahme abgeschlossen sein.

Statt bislang acht sollen künftig neun Säle zur Verfügung stehen. Gesamtkosten: rund 8,5 Millionen Euro. Die neue Konzeption sieht das Andocken von vier OP-Modulen an die vorhandene Abteilung vor. Ab September liefert eine Spezialfirma aus Nordbayern die vorgefertigten Teile in Dimensionen von „acht halben Häusern“ mit Schwertransporten nach Hellersen, um sie dort zu den vier Einheiten zu montieren. An der Südseite des Haupthauses entsteht vorübergehend ein Baukasten in sehenswerter Übergröße.

„Wir bauen fleißig weiter“

Bis dahin gibt es kurz vor dem Ende des ersten von drei Bauabschnitten noch genug zu tun. „Wir bauen fleißig weiter“, unterstreicht Prof. Uhlig. Drei OP-Säle und ein Umkleidebereich wurden im Bestand saniert. 30 Kilometer Kabel haben die Handwerker über ein Labyrinth von Verlegesystemen mit durchnummerierten Strängen gezogen, drei Tonnen Spezialfußboden aufgetragen und ebenso schwere Lüftungsgeräte unter die Decken montiert.

Konstante Feuchtigkeit, gleichbleibende Luftströme und bloß kein Windzug – ohne die Kunst der Lüftungsbauer kann kein Skalpell angesetzt und kein Knochenbruch geschient werden. „Wir können nicht einfach eine Heizung aufstellen oder einen Ventilator an die Decke schrauben und die Temperatur wie im Wohnzimmer rauf- und runterdrehen.“ Vier bis fünf Mischboxen pro Saal sorgen für ein stabiles Raumklima. Denn Drahtstifte, -schlingen, Schrauben, Platten oder Nägel sind äußerst sensibel, wenn sie im menschlichen Körper verbaut werden. Die Luft muss senkrecht in den Raum fallen, ohne dass es zu Verwirbelungen kommen darf. Schließlich kann niemand im Saal den Kragen hochziehen, wenn komplizierte Frakturen gerichtet werden müssen.

Alles auf Lager

Damit zusammenwächst, was zusammengehört, haben Dr. Lena Schury, Oberärztin der Unfallchirurgie, und Angela Stroh, Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin, alles auf Lager und in Metallboxen verstaut, was für den Eingriff gerade gebraucht wird: Mini-Fragment-Schrauben für kleine Knochen, größere Kaliber für den Oberschenkel oder Plattensysteme fürs Handgelenk. Selbst gut sortierte Werkzeug-Magazine sehen gegen das Implantate-Lager vergleichsweise bescheiden aus. Allein 500 verschiedene Schraubenarten liegen in zehn verschiedenen Größen bereit, um für genügend Stabilität zu sorgen. Beeindruckendes fördert die Instrumentenbox ans Licht, wenn es zum Beispiel um den Einsatz von Hüftprothesen geht. Mit Raspeln in unterschiedlichen Stärken wird der Oberschenkelknochen für das Implantat exakt auf Maß vorbereitet. Dr. Schury: „Früher dauerten solche Operationen acht bis neun Stunden, heute reichen eine bis eineinhalb Stunden.“ Mit einem mobilen Röntgengerät analysieren die Ärzte bereits im OP-Saal die Behandlung und ihren Erfolg. Der Apparat lässt sich leicht zum nächsten OP-Standort befördern, wenn das Sanierungskarussell es erfordert. Ungleich aufwändiger ist die logistische Herausforderung, zieht der komplette und penibel einsortierte Schrauben- und Nägelvorrat zum neuen Lager um, damit die Chirurgen weiter die notwendigen Teile wie bisher griffbereit am OP-Tisch haben.

Auch in 30 Jahren keine Risse

Dagegen unterscheiden sich die neuen Säle grundlegend von ihren Vorgängermodellen: Während an den Decken mit den rund 200 Kilogramm schweren Versorgungseinheiten und technischen Geräten deutlich mehr Gewicht hängt als bisher, werden die Fußböden deutlich weniger strapaziert. Nichts wird mehr wie heute noch üblich mit Gerätewagen hin- und hergeschoben. Die jahrelange Beanspruchung machte den Grund porös, die Reinigungsmittel zersetzten den Belag. Die neuen Böden, in sechs Schichten aufgetragen, gelten als deutlich widerstandsfähiger. Prof. Uhlig ist da optimistisch: „Der hat auch in 30 Jahren keine Risse.“

Sein Blick fällt aber erst mal auf die nächsten Wochen und Monate. Im zweiten Schritt erfolgt die Sanierung eines weiteren OP-Saals und eines Umkleidebereichs. Daneben werden drei vorhandene Räume zurückgebaut und in Lagerflächen umgewandelt. Die Einrichtung verschiedener Funktionsräume füllt diesen Abschnitt bis September aus. Dann folgt das mit Spannung erwartete Schlussdrittel mit Anlieferung und Montage der Module an das Haupthaus.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare