Aus dem Jenseits

Hamburger Kammerspiele zeigen „Laurel & Hardy“ im Kulturhaus

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Roland Renner als Stan Laurel (rechts) und Ulrich Bähnk als Oliver „Babe“ Hardy.

Lüdenscheid - Die Hamburger Kammerspiele gastierten mit „Laurel & Hardy“ im großen Saal. des Kulturhauses. Am Ende riss auch das sirenenartige Geheul, mit dem Stan Laurel berühmt wurde, nicht mehr viel heraus.

Er beweinte auf der Kulturhausbühne den Tod seines Partners Oliver Norwell Hardy, der in der gleichen Holzkiste verschwand, aus der er gute zwei Stunden zuvor heraus gestiegen war.

Stan und Ollie, zwei Kultfiguren der Komödie, eine Bühnenadaption, die schon durch ihre Ankündigung eine Erwartungshaltung produziert. Kindheitserinnerungen an die beiden Herren mit Melone, der eine, der dem anderen immer wieder mit dem ausgestreckten Zeigefinger ins Auge sticht, der andere, der permanent mit zwei Fingern seine Krawatte hoch und runter rollt.

Stationen im Leben des Komiker-Duos

Stan und Ollie eben, ein ungleiches Paar, erst stumm und schwarzweiß, später mit Wortwitz und Farbe. 106 Filme drehten sie gemeinsam, bis Hardy 1957 an einem Schlaganfall starb. 1965 trug man Laurel zu Grabe.

Roland Renner (Laurel) und Ulrich Bähnk (Hardy) zeigten in dem Bühnenstück unter der Regie von Michael Bogdanov Stationen im Leben des Komiker-Duos auf. An der schauspielerischen Leistung der beiden mag es nicht gelegen haben, dass im Publikum nur verhalten amüsierte Stimmung aufkam.

Verhaltenes Lächeln beim Publikum

Laut gelacht wurde lediglich links unten und rechts oben. Dazwischen verfolgte das Publikum eher mit verhaltenem Lächeln die mitunter langatmigen Szenen denn mit überschwänglicher Begeisterung.

Die Inszenierung selbst begann im Jenseits und mit der Rückblende der beiden auf ihr Leben als Komiker. Die Geburt, die Kindheit, als Hinkucker Roland Renner im Kostüm von Mutter Hardy, die den kleinen Ollie mit Muffins fütterte – irgendwo musste die Körperfülle ja herkommen.

Historische Schlacht um den Tapetenkleister

Minutenlange und wortreiche biografische Erzählungen wurden von jenen kurzen Slapstick-Szenen unterbrochen, die sich große Teile des Publikums an diesem Abend erhofft hatten.

So schickten Stan, der auch nach stundenlanger Maske nicht so recht zu Stan werden wollte, und Ollie, der eine fast perfekte Kopie abgab, die Gäste mit der historischen Schlacht um den Tapetenkleister in die Pause.

Viele Gäste suchen in der Pause das Weite

Brachen vor der Pause nur vereinzelt Gäste in lautes Gelächter aus, so gab es dafür im zweiten Teil kaum noch ‘was zu lachen. Überraschend viele Gäste hatten in der Pause genug vom Slapstick und das Weite gesucht.

Wer blieb, wurde Zeuge, wie zwei Schauspieler auf der Bühne aus ihrem Leben erzählen, das nicht unbedingt vor Höhepunkte oder ausufernden Skandalen strotzte.

Ein ganz normales Schauspielerleben

Beide arbeiteten hart, der eine als Macher im Hintergrund, der andere, Ollie, mit Wetten auf der Pferderennbahn. Beide waren mehrfach verheiratete, mitunter auch mit der gleichen Frau. Ein ganz normales Schauspielerleben also.

Ein melodramatisches Ende setzte den Schlusspunkt unter das als „musikalisch-komödiantischer Bilderbogen“ angekündigte Stück. Musikalisch war’s – dafür sorgte tadellos Siegfried Gerlich am Klavier. Artiger Applaus beendete schließlich den Abend.

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