Gewerkschaften läuten „Heißen Herbst“ ein

Mehr als 300 Gewerkschafter kamen gestern in den Festsaal Hohe Steinert, als ihr Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber den „Heißen Herbst“ einläutete.

LÜDENSCHEID ▪ Andreas Meyer-Lauber kam am Dienstag am späten Nachmittag eine knappe halbe Stunde zu spät in Lüdenscheid an. Ein Stau hielt ihn auf, aber das fand der Landesvorsitzende des DGB gar nicht so schlimm: Der Stau sei sicherlich dem Streik der Bahn-Gewerkschaften geschuldet. Da hätten halt viele aufs Auto ausweichen müssen.

„Da kann man mal sehen, welche ernsthaften Einschnitte 1700 Streikende auslösen können“, lobte Meyer-Lauber den Einsatz der Bahn-Gewerkschafter für gerechte Löhne und war im Festsaal Hohe Steinert gleich beim Thema – dem „Heißen Herbst“, mit dem die Gewerkschaften für einen Kurswechsel in Berlin sorgen wollen.

Zu korrigieren gebe es eine ganze Menge, betonte der neue DGB-Landesvorsitzende vor gut 300 Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel dürfe Deutschland nicht weiter ein Eldorado für Reiche sein. „Würde die Regierung die Vermögenssteuer wieder einführen, die Erbschaftssteuer auf ein normales Niveau anheben und den Spitzensteuersatz erhöhen, bedeutete dies Einnahmen von bis zu 60 Milliarden Euro im Jahr.“ Aber die Staatsverschuldung werde lieber auf die Kommunen heruntergeschoben, wo dann an sozialen und kulturellen Einrichtungen gespart werde.

„Gerecht geht anders“ lautet denn auch der Slogan für den „Heißen Herbst“. Dabei geht es den Gewerkschaften auch um die Korrektur einer Fehlentwicklung auf dem Arbeitsmarkt: „Immer mehr wird auf Leiharbeiter gesetzt. Sind es zurzeit 850 000, so baut die Regierung auf eine Erweiterung um das Dreifache. Wir fordern einen Mindestschutz für die Kollegen. Das ist sonst kein fairer Wettbewerb. Der Flächentarif gehört zur sozialen Marktwirtschaft“, appellierte Meyer-Lauber an Regierung und Arbeitgeber.

Gewerkschaftskritik hagelte es auch für die „Zwei-Klassen-Medizin“, die Einführung der Rente mit 67 und für eine unterfinanzierte Bildungspolitik. „Es darf nicht sein, dass jährlich bis zu 25 000 Jugendliche ins Leere laufen und keinen Ausbildungsplatz bekommen.“

Michael Hermund, Gewerkschaftssekretär der DGB-Region Ruhr-Mark, versprach dem Landesvorsitzenden, dass zur Großkundgebung am 13. November in Dortmund zahlreiche Busse mit Gewerkschaftsmitgliedern aus der Region kommen werden: „Wir machen die Busse voll.“ Bis dahin stehen noch einige Aktionen im Märkischen Kreis an, unter anderen eine Podiumsdiskussion mit den Bundestagsabgeordneten am Donnerstag nächster Woche ab 18 Uhr im Bürgerforum des Rathauses. Der „Heiße Herbst“ hat begonnen, die Temperaturen dürften aber noch ansteigen.

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