Geständnis ohne Ermittlungsdruck: Kiffer zu Geldstrafe verurteilt

Lüdenscheid - Ein einziges Mal erwischt ihn die Polizei beim Kauf von Marihuana. Und weil der Polizist ihn bei der ersten Vernehmung auffordert, alles zuzugeben, macht der 33-Jährige reinen Tisch. Ja, er rauche seit fünf Jahren täglich einen bis zwei Joints. Und ja, er habe alle zwei Wochen für 50 Euro eingekauft – jeweils um die fünf Gramm. Jetzt ist der Angeklagte entsetzt. Oberamtsanwalt Hans Dieter Lehmann wirft ihm unerlaubten Erwerb von Betäubungsmitteln in 100 Fällen vor.

„Ich bin Gelegenheitsraucher, Herr Richter. Wenn ich gewusst hätte, dass der Beamte das alles so aufnimmt, hätte ich das nicht gesagt.“ Aber Polizisten tun sowas. Strafrichter Andreas Lyra versucht, den Leiharbeiter zu beruhigen. Denn: „Wenn Sie es nicht gesagt hätten, dann wüssten wir es jetzt nicht.“ 100 Fälle, das klinge „dramatisch“, so der Richter. „Ist es aber nicht, da macht man kein Riesenfass drum auf.“

Trotzdem muss die Angelegenheit in der Beweisaufnahme geklärt werden. So stellt sich heraus, dass Hauptumschlagplätze für den Dealer der Jugendtreff Stern-Center und der Stadtgarten am Kulturhaus war. Und außerhalb des Strafprozesses hat der Kiffer wohl auch schon Wissenswertes über die Dealer berichtet. Ein weiterer Grund, das zu erwartende Strafmaß etwas zu deckeln. Der Vertreter der Anklage findet noch mehr Gründe für einen vergleichsweise milden Antrag. „Es waren nur kleine Mengen.“ Und: „Das Geständnis ist ohne Ermittlungsdruck abgelegt worden.“

Aber ganz einverstanden ist der Angeklagte dennoch nicht. Es habe nämlich zwischendurch auch Zeiten gegeben, in denen er viel weniger gekifft habe, sagt er. Lehmann lenkt ein und reduziert die Zahl der angeklagten Einzeltaten auf 75. Es sind auch keine einschlägigen Vorstrafen im Vorstrafenregister verewigt.

Lyra fragt: „Wie ist es denn heute so?“ Seit er erwischt wurde, habe er nichts mehr gekauft, beteuert der Angeklagte. „Aber wenn man sich im Milieu bewegt, greift man ab und an mal zu.“ Der Richter warnt den 33-Jährigen. „Wir hatten schon Leute hier, die haben sich die Birne weggekifft.“ Es sei wohl heilsam gewesen, erwischt zu werden.

Die Strafe fällt dennoch deutlich aus. 2625 Euro, zu zahlen an die Staatskasse.

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