Bewährungsstrafe für erwischten Dieb

Gerangel um Erdbeeren und Tomaten endet vor Gericht

Lüdenscheid - 14 Jahre Frankreich, eine Frau, ein Kind und keine Arbeit: Im Mai 2014 wuchs einem heute 40-jährigen Nordafrikaner seine Situation im Nachbarland derart über den Kopf, dass er nach Deutschland kam und hier einen aussichtslosen Asylantrag stellte.

Die erhoffte Arbeit fand er nicht. Das Geld war knapp, und so wurde er im September 2014 und im Januar 2015 nach Diebstählen zu Geldstrafen verurteilt, die seine finanzielle Situation noch weiter verschlechterten. Eine große Dummheit brachte ihn nun erneut ins Amtsgericht Lüdenscheid:

Am 3. August packte er im Nettomarkt an der Wilhelmstraße eine Plastiktüte voll mit Bananen, Erdbeeren, Tomaten, Getränken und weiteren Lebensmitteln im Gesamtwert von 55 Euro und versuchte, den Kassenbereich ohne zu zahlen zu durchqueren. In die Quere kam ihm dabei ein Detektiv des Hauses, der den Dieb aufzuhalten versuchte. Die Tüte zerriss, einige Waren blieben dadurch sofort im Laden, andere sammelte die Polizei kurz darauf beim Täter ein.

Weil der sich gegen seine vorläufige Festnahme gewehrt und zumindestens einen Teil seiner Beute, die Tomaten nämlich, erfolgreich gegen den Detektiv verteidigt hatte, musste er sich einer Anklage wegen eines räuberischen Diebstahls stellen – Mindeststrafe als „Verbrechen“: ein Jahr. Glücklicherweise hatte sich der Detektiv bei dem Gerangel nur leicht an der rechten Hand verletzt. Auch ein sechs Jahre altes Mädchen, das der Dieb auf der Wilhelmstraße umgerannt hatte, erlitt bei dem Sturz lediglich leichte Verletzungen am Arm.

Mittlerweile hatte der Angeklagte mitbekommen, dass auch in Deutschland für einen der Landessprache Unkundigen die Früchte nicht in den Himmel wachsen. Und so berichtete Strafverteidiger Frank Peter Rüggeberg, dass sein Mandant nach einer letzten „Tumor-Operation“ wieder nach Frankreich gehen wolle. Die Nachfrage, ob er zu Frau und Kind zurückkehren beabsichtige, schien ihn zu erschrecken. Das wisse er noch nicht.

Angesichts des umfassenden Geständnisses, einer nur geringfügigen Verletzung des Zeugen und der Rückkehr des Obstes in die Regale werteten Staatsanwältin Bianca Schölch und das Schöffengericht den räuberischen Diebstahl als einen minderschweren Fall. Der Aufenthalt des 40-Jährigen wurde aber durch eine sechsmonatige Bewährungsstrafe zusätzlich beschwert.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare