Verfahren nach Auto-Tausch eingestellt

Gebrauchtwagenkauf: Viel Wirbel um angeblichen Betrug

Lüdenscheid - Gebrauchtwagenkäufe sind eine heikle Sache – vor allem, wenn sich die Schätzchen schon in vorgerücktem Alter befinden. Keinen Kauf, sondern einen Tausch bot ein Renault-Fahrer einem Lüdenscheider Gebrauchtwagenhändler an: Er gebe seinen 15 Jahre alten „Scenic“ im Tausch für einen Smart. Das Geschäft kam zustande, doch der ehemalige Renault-, nun Smart-Fahrer, zahlte kurz darauf 855 Euro für die Reparatur des völlig durchgerosteten Achsträgers.

Der Händler habe gesagt, dass der Wagen „in bestem Zustand“ sei, trug er vor, als er diesen wegen eines angeblichen Betruges anzeigte. Der 34-jährige Angeklagte bestritt im Amtsgericht Lüdenscheid, dass er die Formulierung „in bestem Zustand“ in den Mund genommen habe und spielte den Ball zurück: „Für alte Autos gibt es keine Garantie.“

Der Kunde habe gesagt, er „nehme das Auto, wie es ist“, nachdem er sich den Wagen gründlich angeschaut hatte. Auch der schriftliche Kauf- beziehungsweise Tauschvertrag schloss irgendwelche Gewährleistungen eher aus. Mit Privatkunden seien solche Tauschgeschäfte zudem eher unüblich, erklärte der Händler. Er sei deshalb davon ausgegangen, dass das Fahrzeug ins Ausland verkauft werden sollte. „Diese Autos, die hier keiner mehr will, sind im Ausland sehr begehrt“, erklärte Rechtsanwalt Arnd Katzke diesen Vermarktungsweg.

Im Zivilverfahren um diesen Autotausch mache der Kläger gegenüber seinem Mandanten immer neue Mängel an dem Smart geltend.

Der Kläger, der im Strafverfahren gar nicht förmlich befragt wurde, behauptete allerdings, dass es ihm gar nicht vorrangig um Geld gehe: „Mir geht es nicht um Schadenersatz, mir geht es darum, dass Leute bestraft werden, die solche Autos verkaufen.“

Daraus wurde allerdings nichts: In Absprache mit dem Staatsanwalt entschied Richter Thomas Kabus, dass dieser Fall zivilrechtlich zu klären sei, weil „nichts strafrechtlich Relevantes“ festzustellen sei. Er stellte das Strafverfahren deshalb ein.

Der als Zeuge geladene Besitzer des Autohandels machte sich dennoch Sorgen um seinen Ruf: Der Käufer habe im Internet „so schlecht über uns geschrieben“, klagte er, bevor die ganze Versammlung auseinanderlief.

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