Ausstellung in beiden Häusern

Galerie und Museen zeigen Werke von Heinz Wever

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Eine umfangreiche Ausstellung wird gezeigt.

Lüdenscheid - Es ist die umfangreichste Ausstellung der letzten Jahre. Zwischen 200 und 250 Exponate wurden nach Lüdenscheid gebracht, thematisch sortiert, gerahmt und liebevoll aufgehängt. Herausgekommen ist „der ganze Heinz Wever“, wie Museumsleiter Dr. Eckhard Trox die Vorabschau im Museumsfoyer kommentierte. In beiden Häusern – Galerie und Museen – sind Werke des gebürtigen Herscheiders zu sehen.

Die Frühwerke Heinz Wevers zeigt die Städtische Galerie. Als Entrée läuft ein kurzer Film, im ersten Raum erwartet die Besucher von Sonntagmittag an der altmeisterliche Wever, der Student, dessen Leben anhand von zahllosen Briefen nachvollziehbar ist. Hier hängt auch der „Parasitenzug“, ein Gemälde, das Wever viele Jahre seines Lebens beschäftigt hat. 

Den zweiten Raum beherrschen die Reiseskizzen. Nach seinem Umzug zum Studium nach Düsseldorf trieb es Wever in die Welt hinaus, nach Amerika, nach Italien. Immer wieder zeichnete er Menschen, oft mit Kohle, aber hier und da auch in schillernden Farben. Das tragende Element des dritten Ausstellungsraumes ist ein viergeteiltes Werk mit dem Titel „Der Dämon der Liebe“, aus New York nach Lüdenscheid gebracht und die Illustration afrikanischer Mythen zeigend. Hier sind auch jene Zeichnungen zu sehen, die Wever für die „Gesolei“, eine Gesundheitsausstellung 1926, angefertigt hat. „Die Tatsache, durch die Malerei Geld verdienen zu müssen, zwang Wever dazu, Gebrauchsgrafik anzufertigen“, sagt Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen mit Blick auf die Porträts unzähliger Ärzte, die einträchtig nebeneinander hängen.

Eben jene Verpflichtung, durch seinen selbst gewählten Beruf als Künstler seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ließ Wever nach dem Ende seiner Reisen nach Berlin gehen. „Wever war Nationalsozialist. Aber er hat gegen Kriegsende in seinem Haus in Herscheid einem Juden unter Lebensgefahr Unterschlupf gewährt“, verweist Trox auf den zweiten, den anderen Teil der Ausstellung. Skizzen für den „Stahlhelm“, unzählige Zeichnungen aus den Berliner Jahren des Künstlers, der 1936/37 seine Arbeit als Industriezeichner aufnahm. 

Mittelständische Unternehmen sind zu sehen, Menschen an Arbeitsplätzen, die es längst nicht mehr gibt, Unternehmer, die ihre Mitarbeiter zeichnen ließen als Wertschätzung für deren Wissen und Fleiß wie jene des Bauunternehmens Heitkamp aus Herne. „In Unternehmerkreisen kannte man Wever“, sagt Trox, „er zeichnete mit einem außerordentlichen Pragmatismus. Er war kein Visionär, aber er wollte als Künstler leben.“

Die Exponate stammen aus Privatbesitz und aus dem Familiennachlass. „All denjenigen, die der Galerie ambivalent gegenüberstehen, empfehle ich den Besuch dieser Ausstellung“, dankt Kulturdezernent Thomas Ruschin ausdrücklich den Teams aus Galerie und Museen. Es sei beeindruckend, wie sehr sich Lüdenscheid um die Künstler der Region verdient macht. Die Ausstellung sei sehr dafür geeignet, die Selbstdarstellung der Region zu fördern und das eigene Geschichtsbewusstsein zu heben.

Ein 250 Seiten starker Bildband gibt Auskunft über das Werk des Künstlers. Die Ausstellung wird am Sonntag ab 11.30 Uhr in den Museen an der Sauerfelder Straße eröffnet und ist bis zum 9. Oktober zu sehen. Der Besuch der Vernissage ist kostenlos.

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