Städtisches Familienzentrum Gevelndorf: Seit 25 Jahren Institution für den Stadtteil

„Für Ärmelhochkrempler und Alleskönner“

Die Einladung ist selbst gestaltet. Samstag von 10 bis 14 Uhr gibt’s rund um die Einrichtung ein buntes Programm für die ganze Familie.

Gevelndorf - Die Familie wird 25 – und der ganze Stadtteil feiert mit: Für Samstag lädt das Städtische Familienzentrum zur Vierteljahrhundert-Feier an die Gevelndorfer Straße 12 ein.

Zwei, die von Anfang an dabei waren, sind Leiterin Barbara Dahlmann (54) und ihr Stellvertreter Uwe Hindrichs (47). Sie hat als Erzieherin schon die Bauphase erlebt, er kam als Kinderschutzbund-Zivi dazu. Mit vier Gruppen und 85 Kindern ging es los. Seit 2009 ist die Einrichtung ein Familienzentrum mit zwei normalen Kindergarten-Gruppen, einer U 3-Gruppe mit zwölf Kindern sowie einer Hortgruppe mit 20 Grundschulkindern im Alter zwischen sechs und elf Jahren. Aufnehmen kann man Kinder ab vier Monate; im Moment sei das jüngste neun Monate alt, erzählt das Führungsteam. 20 Mitarbeiter, von der Küchenfrau bis zur Praktikantin, kümmern sich ums Wohlergehen aller.

Doch hinter diesen Zahlen stecken viele Geschichten und Erlebnisse, traurige und fröhliche. Dahinter steckt Begleitung über Generationen hinweg. In 25 Jahren, so schätzen sie, sind bestimmt weit mehr als 1000 Kinder in der Kita gewesen, „und Generationen von Kollegen“.

„Das ganze breite Leben findet hier statt“, sagt Uwe Hindrichs. Die Treue der Ehemaligen rührt ihn. Viele fänden den Weg zurück, gerade in schwierigen Zeiten, hat er gemerkt. Dann sei man immer noch für die längst erwachsenen „Kinder“ da. Dann trösten Sätze wie: „Lass uns gemeinsam ein bisschen an den Regenwolken schieben.“ Deshalb geht das Selbstverständnis nach so langer Zeit zu Recht übers Normalmaß hinaus. „Das ist ein Stück Zuhause, wo alles stattfindet, was stattfinden kann. Einige Kinder sind seit mehr als zehn Jahren hier. Wir bringen Verlässlichkeit und Kontinuität.“

Am Anfang habe es am Kettenberg noch eine Notunterkunft gegeben, erinnert sich Barbara Dahlmann. Schon da habe man niederschwellige Angebote gemacht, habe damals die Arbeit geleistet wie heute als zertifiziertes Familienzentrum. In all den Jahren sei das Team zusammengewachsen. Eine weitere Kollegin sei ebenfalls von Anfang an dabei. Er fühle sich auch wohl in der Hortarbeit, sagt Uwe Hindrichs zu der langen Zeit. Der gute Überblick, weil er viele – Menschen und Institutionen – kennt, die Herausforderungen, die sehr intensive Arbeit: „Ich bin zufrieden damit, wie es ist.“ Vor allem auch, weil man vieles gemeinsam bewegt. Auf viele Eltern und Freunde der Einrichtung könne man sich immer verlassen: „Es braucht Ärmelhochkrempler und Alleskönner.“ Auch für sie wird gefeiert.

Die Vorbereitungen aufs große Fest haben viele Erinnerungen wach werden lassen. „Die ist fast mit dem Studium fertig“, sagt er beim Blick auf ein Bild vom Ende der 90er-Jahre. Mit dem Siegeszug der Digitalfotografie enden die großen Fotostrecken. Schade eigentlich, finden beide. Doch selbst in den Jahren zuvor gibt’s Lücken: „Kurios ist: Von unseren vier Wasserschäden gibt es keine Bilder.“ Das war ab Mitte der 90er-Jahre eine schwierige Zeit mit vielen Belastungen durch Sanierungen und Einschränkungen für den großen Kindergarten.

Alte Zeitungsberichte erinnern an Stichworte wie Minimalfinanzierung und Hortaufgabe 2001. Ihre Hortkinder hätten der Stadt bei einem Gespräch mit dem zuständigen Dezernenten Dr. Wolfgang Schröder klargemacht, warum ihnen der Hort wichtig ist. Hindrichs: „Das hat Dr. Schröder damals unheimlich beeindruckt, auch unsere Redekultur. Wer den Bauklotz hatte, durfte reden.“ Am Ende entschied die Politik: Zwei Hortstandorte durften bleiben – Hebberg und Gevelndorf.

Wenn die Katholische Kita im Viertel 2017 schließt, steht die nächste große Herausforderung an. Den hohen Bedarf könne man hier nicht abdecken. „2017 geben wir 14 Kinder in die Schule ab, also habe ich 14 Plätze zu vergeben“, sagt Barbara Dahlmann. Zum Vergleich: 2015 habe man bei 65 Anfragen acht Plätze gehabt.

Wer einen Platz hat, spürt sofort: Hier geht Liebe auch durch den Magen. „Beim Essen wird die Welt thematisiert“, sagt Uwe Hindrichs. Das gemeinsame Mittagessen sei die spannendste Zeit des Tages. Was es gibt, was man mal gerne hätte, wie’s gekocht wird, und neuerdings auch, wo das Gemüse herkommt – „es ist toll“, findet der Mann im Haus, der bei den Themen Kochen oder Putzen gerade für die Jungs eine Vorbildrolle einnimmt. „Seit Oktober kooperieren wir mit dem Kleingartenverein Honsel. Jetzt haben sie begriffen, dass die Rote Bete nicht im Glas wächst“ erzählt Barbara Dahlmann. Ein erprobtes Rezept hat sie auch für Tage, an denen einfach nichts funktionieren will: „Wenn ich total schlechte Laune habe und nichts geht, dann gehe ich in die Gruppe und hole mir das Lachen ab.“

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