Friedensgruppe und Gedenkzellen-Verein erinnern an Nazi-Verbrechen

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Arbeitsteilung: Historiker Matthias Wagner (links) erinnerte an die Verbrechen der Nazis, Liedermacher Rüdiger Drallmeyer intonierte dazu seine Balladen.

Lüdenscheid - Es war heiß am vergangenen Donnerstag an der Versetalsperre. Heißer wohl noch als am 22. Juni 1941. An jenem Tag überfiel die deutsche Wehrmacht bekanntlich die Sowjetunion. An dieses Verbrechen – und an das Schicksal russischer Zwangsarbeiter in der Bergstadt – erinnerten nun wieder Lüdenscheider Bürger am Hunswinkel-Mahnmal.

Rund ein Dutzend Männer und Frauen hatten sich an diesem Nachmittag an der Klamer Brücke versammelt. Eingeladen zu der Veranstaltung hatten die Lüdenscheider Friedensgruppe und der Gedenkzellen-Verein.

Zum Hintergrund: Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion gilt vielen als Anfang vom Ende des Nazi-Regimes. Aber es dauerte noch vier Jahre bis die Rote Armee und die Westalliierten den Aggressor zu Boden gerungen hatten. Gerade im Osten kam es zu unfassbaren Verbrechen. Rund 25 Millionen Russen verloren ihr Leben, unzählige wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert. Mehrere tausend mussten auch in der Lüdenscheider Wirtschaft schuften, etliche davon beim Bau der Versetalsperre. Schikanen aller Art – oft mit tödlichen Folgen – prägten dort den Alltag.

Und noch immer werden die Vorgänge von einst mitunter verschwiegen. Das findet zumindest Historiker Matthias Wagner, der am Mahnmal an der Klamer Brücke eine kurze Rede hielt. Konkret kritisierte Wagner dabei das diesjährige Juni-Blatt des Stadtwerkekalenders. Dort werde zwar über den Bau des Versedamms informiert. Völlig unerwähnt blieben indes Einsatz und Leiden der Zwangsarbeiter. Für Wagner ist diese Form der Darstellung „eine alte lokale Gewohnheit, die leider auch vom Geschichts- und Heimatverein gepflegt wird“. Der Geschichts- und Heimatverein ist für die Erarbeitung des Stadtwerkekalenders zuständig.

Gleichzeitig erinnerte Matthias Wagner auch an die Massenerschießung von Nazi-Opfern, die nach neuen Erkenntnissen auf dem Friedhof Hühnersiepen stattgefunden haben sollen.

Das einst vermutlich von Metalldieben entwendete Mahnmal an der Klamer Brücke soll übrigens bald ersetzt werden. Die dafür vorgesehene Eisen-Lore befindet sich bereits in Lüdenscheid und harrt ihrer Aufstellung.

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