Flüchtlingsinitiative: Hilfe in der Warteschleife

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Renate Prost unterrichtet Traosé Aboubacar und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite.

Lüdenscheid - Es ist sehr heiß an diesem Nachmittag ganz oben unter dem Dach des Übergangsheims für Flüchtlinge an der Schnappe. Mit Renate Prost und Angela Stuntebeck ist Donald Ojie Alofoje, der seit seiner Flucht aus Nigeria vor drei Jahren über Griechenland, Italien nach Karlsruhe nun in Lüdenscheid lebt, gekommen.

Sabine Bomm. Leiterin des Arbeitskreises Kinder der Flüchtlingsinitiative, und Matthias Wagner sind schon da. Später kommt noch Traosé Aboubacar hinzu, seit gut einem Jahr hier, geflohen vor brutalen Stammesfehden und der Gewalt zwischen ethnischen Gruppen in seiner Heimat Guinea.

Heute ist nicht so viel los. Die beiden jungen Männer sind in Deutschland geduldet. Ihr endgültiger Status ist aber noch nicht geklärt, da Ergebnisse der Anhörung noch nicht vorliegen oder eine Anhörung noch nicht erfolgt ist. Das ist zermürbend, die Zeit verläuft nur schleppend. Perspektivlosigkeit macht sich breit. Leuchtpunkte in dieser mitunter endlos wirkenden Warteschleife sind Nachmittage wie diese, wenn sich die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer einfinden, Sprachkurse geben, aber auch Begleiter bei Behördengängen sind und ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Renate Prost ist seit sechs Jahren in Rente, war früher Exportkauffrau und wollte sich für Flüchtlingskinder engagieren. Daher meldete sie sich bei der Flüchtlingsinitiative Lüdenscheid in der von Sabine Bomm, hauptberuflich Chefin des Awo-Mehrgenerationenhauses, geleiteten Arbeitsgruppe Kinder an. „Die ehrenamtliche Arbeit macht mir sehr viel Spaß“, sagt Prost. Nicht anders geht es Angela Stuntebeck. Die Sonderschullehrerin ist in passiver Altersteilzeit und engagierte sich schon, als die Flüchtlinge in der ehemaligen Grundschule Schöneck untergebracht waren.

Die Betreuung der Kinder im Übergangsheim an der Schnappe lief nach und nach aus, weil die Stadt Familien mit Kindern dezentral unterbrachte. „Wir wussten dann nicht mehr, wo sie waren“, sagt Matthias Wagner, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Gedenkzellen und schon viele Jahre in der Flüchtlingshilfe aktiv. „Schon in den 80er Jahren kamen Menschen in den Eine-Welt-Laden zu Gerhild Theis. 1986 entstand die Flüchtlingsberatungsstelle des Diakonischen Werkes. Als sich 2014 mit den zunehmenden Flüchtlingsstrom der Runde Tisch für die Flüchtlingshilfe in Lüdenscheid gründete, war auch die Betreuung der Kinder ein Thema. Über die Awo wurde Spielzeug, aber auch Lehrmaterial beschafft. Das leerstehende Dachzimmer wurde Treffpunkt.

Im Laufe der Zeit meldeten sich auch erwachsene Flüchtlinge, die sich dafür interessierten, was sich da tat und wissbegierig waren. „Das zeigt: Es ist besser dorthin zu gehen, wo sie leben“, sagt Matthias Wagner. Zurzeit werden dort im Schnitt zehn bis zwölf Menschen unterrichtet oder begleitet, wenn es um Behördengänge oder Unterstützungen beim Anhörungsverfahren geht.

Das alles ist ein mühsamer Prozess, der nicht von heute auf morgen Erfolg zeigt, aber bei dem die Flüchtlinge mit ihren unterschiedlichen Biografien und zum Teil traumatischen Erlebnissen Ansprechpartner finden, zu denen sie Vertrauen aufbauen und auf die sie zählen können.

Renate Prost und Angela Stuntebeck schlagen nach dem Pressegespräch noch Seiten in ihren Lehrbüchern auf, um mit ihnen einige Sprachübungen mit Donald Ojie Alofoje und Traosé Aboubacar durchzuführen. Ein nächster Schritt, um Fuß zu fassen hier in Lüdenscheid, ganz oben in dem kargen und heißen Zimmer unterm Dach des Übergangsheimes an der Schnappe.

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