„Abgrenzung wichtig“

Flüchtlingshelfer: Umgang mit Leid

„Empathie – mitfühlen – helfen: Wo sind meine Grenzen“ – dazu sprach die Diplom-Pädagogin und Therapeutin Rendel Simon vor Flüchtlingshelfern.

Lüdenscheid - „Das Bisschen, das wir machen können, kann unglaublich viel bewegen.“ Mut machende Worte gab Rendel Simon, Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle Lessingstraße, Mitarbeitern der Flüchtlingshilfe am Freitag bei einem Informations- und Austauschabend in der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Börsenstraße mit auf den Weg.

Ferienbedingt in kleiner Runde, stellten sich die Flüchtlingshelfer Fragen nach belastenden Situationen in der Flüchtlingsarbeit und nach Strategien, sich selbst zu schützen. „Empathie – mitfühlen – helfen: Wo sind meine Grenzen“, war der Abend mit der Diplom-Pädagogin und Therapeutin überschrieben.

Initiiert hatte die interaktive Veranstaltung der Leitungskreis des Frauen-Cafés, das einmal im Monat in Räumen der FeG stattfindet. Seitens des Leitungskreises hieß Gunhild Leppert die Flüchtlingshelfer zum Erfahrungsaustausch willkommen.

Anhand einer Empathie/Sensibilitäts-Skala zeigte Rendel Simon auf, wie unterschiedlich Menschen auf die Gefühle anderer reagieren. Zwischen „äußerst unsensibel“ und der Unfähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen („Gefühlsblindheit“) und „hoch sensibel“ liege ein weites Feld. Hoch sensible Menschen könnten die Stimmungslage anderer im Raum spüren und besäßen eine sehr gute Empathiefähigkeit. Allerdings bestehe bei ihnen auch die Gefahr, dass sie sich nicht abgrenzen könnten.

Fragen wie: „Was war die belastendste Situation für Sie in der Flüchtlingshilfe?“ oder „Kam Ihnen schon mal der Gedanke, mit der Arbeit aufzuhören?“ gab Rendel Simon den Flüchtlingshelfern zu bedenken. Im steten Austausch trug die Gruppe sowohl positive Aspekte der Flüchtlingsarbeit wie Motivation, Dankbarkeit, Horizonterweiterung und neue Lebensaufgabe als auch hilfreiche Gedanken und Strategien zur Abgrenzung zusammen. Hilfreich, um sich selbst zu schützen, sei es beispielsweise, sich Bilder oder Filme, die überfordern, nicht anzusehen und Nein zu sagen, wenn die eigene Grenze überschritten wird.

In der Flüchtlingsarbeit wie in anderen Lebensreichen sei es wichtig, sich bewusst zu machen, dass man als Einzelner nicht alles machen oder übernehmen könne und sich einen Ausgleich zu schaffen. Dieser könne sehr unterschiedlich aussehen.

Auch Glaubensaspekte („Im Gebet Belastungen an Gott abgeben“) kamen zur Sprache. „Es hilft den Flüchtlingen in keiner Weise, wenn ich mich von dem Leid mitziehen lasse“, erklärte Rendel Simon. „Ich darf mich abgrenzen, nur dann bleibe ich handlungsfähig.“ Wenn etwas innerlich zu nahe komme, könne es helfen, sich in Gedanken von seinem Gegenüber wegzusetzen und dadurch Abstand zu gewinnen. Fazit: Mit wenigem könne jeder viel bewirken.

Am 22. Oktober und 26. November – jeweils von 15 bis 17 Uhr – finden in der Freien evangelischen Gemeinde die nächsten Frauen-Cafés statt, zu denen Flüchtlingsfrauen willkommen sind.

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