IG Metall will den Wandel

Existenzsichernde Vergütung für Azubis gefordert

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Sie peilen konkrete Verbesserungen für Auszubildende an: Jugendvertreter der IG Metall im Märkischen Kreis. Ganz rechts im Bild: Jugendsekretär Fabian Ferber.

Lüdenscheid - Die IG Metall im Märkischen Kreis will eine Verbesserung der Lebenssituation junger Auszubildender erreichen. Das machten Gudrun Gerhardt, 1. Bevollmächtigte der heimischen IG Metall, Jugendsekretär Fabian Ferber und Jung-Gewerkschafter Manuel Bunge im Gespräch mit den LN deutlich.

Mit ihrer Kritik setzen die Gewerkschafter vor allem bei den Bedingungen des sogenannten dualen Studiums, bei der Ausbildungsvergütung und bei den Ausbildungschancen von Haupt- und Realschülern an. Geregelt sind die Grundlagen der Ausbildung in Deutschland im Berufsbildungsgesetz. Dessen Reformierung halten die Metall-Gewerkschafter dann auch für dringend geboten. Zu diesem Zweck haben sie ihre Kampagne „modern bilden“ ins Leben gerufen.

Besonderen Handlungsbedarf sehen die Gewerkschafter beim dualen Studium, also bei der Koppelung von betrieblicher Ausbildung und Studium an einer Hochschule. Diese bis dato Abiturienten vorbehaltene Kombination wird auch von Unternehmen in der Region recht häufig angeboten und gilt wegen der Karriere-Chancen als begehrt.

Der Pferdefuß an der Sache aus Gewerkschafts-Sicht: Durch die Arbeitszeiten im Betrieb und den Aufwand für das Studium sind die dualen Studenten mitunter 60 Stunden und mehr pro Woche eingespannt. Jung-Gewerkschafter Manuel Bunge hat das am eigenen Leib erlebt. Seine Worte: „Das ist hart.“ Außerdem gibt es auch Arbeitsschutzregeln für Azubis. Die Forderung von Gerhardt und Ferber daher: Um Freiräume für die dualen Studenten zu schaffen, müsse deren Arbeitsbelastung reduziert werden. Geschehen soll das durch eine Senkung der Arbeitszeiten im Betrieb. Und selbst dann bliebe laut Gudrun Gerhardt womöglich noch eine wöchentliche Arbeitsbelastung von 40 bis 50 Stunden.

Ein anderes Thema, bei dem die Gewerkschafter einhaken: die Ausbildungsvergütung. Die variiert stark und kann von wenigen Hundert Euro monatlich bis nahe der 1000-Euro-Grenze reichen. Dazu Fabian Ferber: „Die Ausbildungsvergütung muss existenzsichernd sein. Und die Kosten für Lehrmittel müssen komplett die Arbeitgeber tragen.“ Gleichzeitig regt Ferber die Etablierung von Azubi-Wohnheimen im Märkischen Kreis an – für Auszubildende, die von weiter weg kommen oder auch einfach nicht mehr bei ihren Eltern leben möchten.

Auch auf einem anderen Feld will die IG Metall eine Wende: bei den Chancen von Haupt- und Realschülern. Die Perspektiven dieser Schulabgänger auf dem Ausbildungsmarkt hält die Gewerkschaft für viel zu begrenzt. Vom dualen Studium etwa sei diese Gruppe bisher ganz ausgeschlossen. Noch einmal Fabian Ferber: „Da beginnt die Schizophrenie. Einerseits beklagen die Arbeitgeber einen Fachkräftemangel, andererseits versperren sie für viele mögliche Fachkräfte den Weg zur Ausbildung.“

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