Entführung, Erpressung, Raub: Geständnisse zum Auftakt

Lüdenscheid - „Was ich getan habe, ist nicht zu entschuldigen, es war falsch. Aber ich bin froh, dass ich gestoppt wurde, das hat mir vielleicht das Leben gerettet.“ Das Geständnis des 26-jährigen Hauptangeklagten klingt unverblümt. Auch sein Bruder (21) und ein weiterer Mittäter (24) haben zum Auftakt ihres Strafprozesses weitgehend im Sinne der Anklage ausgesagt.

Demnach haben sich die Angeklagten am 29. November 2015 der Entführung, Erpressung, gemeinschaftlichen Körperverletzung und des Raubes schuldig gemacht. Das Opfer des Trios, ein 24 Jahre junger Arbeitsloser, erinnert sich: „Ich hatte Todesangst.“ Noch heute leide er an Schlafstörungen. „Es ist alles nicht einfach.“

Der Hauptbeschuldigte, verteidigt von Rechtsanwalt Andreas Trode, ist kein unbeschriebenes Blatt. Sieben Monate vor der Tat wurde er aus dem Gefängnis entlassen. Dort hatte er unter wegen Brandstiftung gesessen – vier Jahre. Die Zeit seit seiner Entlassung verbrachte er ohne Wohnung und ohne Arbeit. Dafür mit ungezügeltem Drogenkonsum. Zwei bis drei Gramm „Gras“ am Tag, fünf Gram Amphetamin, alle zwei bis drei Stunden Ecstasy. Zur Tatzeit hatte er drei Tage und drei Nächte durchgemacht. „Was meine Empathie betrifft, war ich ein Zombie.“

Das und die Tatsache, dass Geld für Drogen her musste, war der Ursprung des Martyriums, das der junge Lüdenscheider durchlebte. Das Bruderpaar lockt ihn gegen Mittag ins Auto des Mitangeklagten, der am Steuer sitzt – und deshalb der Beihilfe an den Verbrechen beschuldigt wird. Das Opfer muss die Taschen ausleeren: Handy, 35 Euro, Wohnungsschlüssel. Weitere 200 Euro lässt er heimlich in seiner Jogginghose verschwinden.

Der erste Schlag des 26-Jährigen bricht ihm die Nase und einen Schneidezahn. Sie kutschieren mit ihm durch die Gegend zwischen Lüdenscheid und Meinerzhagen, kaufen zwischendurch Wodka, verprügeln, bedrohen und beschimpfen ihn und versuchen, mit seiner Scheckkarte das Konto zu plündern. Doch das ist leer.

Der Vorsitzende Richter Marcus Teich sagt zu dem Fahrer: „Da sitzt einer in Ihrem Auto und blutet und heult, und Sie drücken aufs Gas.“ In Meinerzhagen schließlich, als der verletzte Mann zum Pinkeln aussteigen darf, rennt er weg. Die Verdächtigen werden mit seinem Wohnungsschlüssel vor seiner Haustür in Lüdenscheid gestellt. Die Brüder wandern in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird am 1. Juni um 11.30 Uhr in Saal 201 fortgesetzt.

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