Demonstranten fordern Legalisierung von Cannabis

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Lüdenscheid - Eine Diskussion, die in vergangener Zeit auch immer wieder auf bundespolitischer Ebene stattfand, wurde am Samstag demonstrativ nach Lüdenscheid getragen. Am Nachmittag trafen sich am Kreishaus rund 30 Männer und Frauen, um gemeinsam für die Legalisierung von Cannabis zu demonstrieren.

Ihr Fußmarsch führte sie bis zum Rathausplatz, auf dem Weg dorthin machten die Demonstranten ihre Forderung zur Abschaffung des Verbotes der bislang als Droge eingestuften Pflanze mit Parolen und Kundgebungen deutlich.

Initiiert hatte die Demonstration David Spangenberg. Der Lüdenscheider bekam zudem Unterstützung vom „Die Partei“-Ortsverband. Vorsitzender Derryl Wagner und Schatzmeister Jan Heimann stimmten gemeinsam mit Spangenberg die doch recht überschaubare Menge während der Auftaktkundgebung am Kreishaus ein.

Parolen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns das Ganja klaut“ oder „Wir sind hier, wir sind high, gewöhn‘ dich dran, es bleibt dabei“ begleiteten den Protestmarsch. Spangenberg betonte, Cannabiskonsumenten wollten sich nicht länger verstecken und als Kriminelle abgestempelt werden, nur weil sie etwas täten, was in anderen Ländern längst erlaubt sei. „Man tut uns und der Pflanze unrecht“, so der Lüdenscheider.

Unter den Demonstranten war auch Renate Pimpertz. Die 60-Jährige aus Viersen gilt als sogenannte Cannabispatientin. Sie darf aus medizinischen Gründen kiffen. Bis zu fünf Joints am Tag raucht Pimpertz, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine jahrelange Krankengeschichte habe sie hinter sich, nahm viele Jahre mehrere Medikamente gleichzeitig, darunter auch hochdosierte Schmerzmittel. Ihre Ärzte bezeichneten sie schließlich als austherapierte Schmerzpatientin ¬– „Nichts half mehr“, so Pimpertz. Bis sie schließlich auf Cannabis stieß.

Der Konsum habe ihre Schmerzen schnell spürbar verbessert, den Krankheitsverlauf verlangsamt. Heute darf sie legal einen eingetragenen Bedarf von 60 Gramm im Monat konsumieren. So steht es auch auf einer Bescheinigung, die sie immer bei sich tragen muss. „Je nach Schmerzattacke rauche ich ein bis drei Gramm am Tag“. Von den üblichen Schmerzmitteln sei sie seitdem runter, es gehe ihr gut, betont sie.

Die 60-Jährige setzt sich aber nicht nur aktiv für die Legalisierung von Cannabis ein. Sie fordert zudem ein Umdenken bei den Krankenkassen. Denn die Kosten für das in der Apotheke erhältliche Kraut übernehmen die Kassen bisher nicht. „Bei mir kommen schnell mal 900 Euro im Monat zusammen. Das kann sich nicht jeder leisten. Viele wenden sich dann an den Schwarzmarkt.“

Eine Legalisierung sieht Pimpertz allerdings nur in Verbindung mit gesetzlichen Regelungen: Altersbegrenzung und eine Einschränkung beim Autofahren, ähnlich der Promillegrenze beim Alkohol. Pimpertz: „In den Köpfen der Menschen muss sich einiges ändern, Cannabis ist nicht die gefährliche Droge, für die sie viele halten. Ich selbst empfinde Alkohol als viel gefährlicher.“

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