Die Wortkargheit der Sauerländer

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Bruno „Günna“ Knust gastierte im Kulturhaus.

Lüdenscheid - „Bitte noch einmal tanzen“, tönte es aus den vorderen Reihen. Und Bruno „Günna“ Knust bemühte sich, bis ihn die Technik schmählich im Stich ließ.

Selbst in der knapp einstündigen Zugabe hatte der Dortmunder Kabarettist im Kulturhaus noch genug Energie, um eine flotte Sohle auf die Bühnenbretter zu legen. Voran gegangen waren einschließlich Pause knappe zwei Stunden Programm, in denen „Ich bin der Günna“ Geschichten von Hölzchen auf Stöcksken und wieder zurück erzählte.

Im Publikum: Fast schon in Überzahl „Alte Herren“ aus Fußballmannschaften, war doch der Comedian lange Jahre Stadionsprecher des BVB. Er käme, so sagte er eingangs, aus „Lüdenscheid Nord“. Und mit drei, vier Spitzen in Richtung Gelsenkirchen hatte er schnell das Volk auf seiner Seite. „Husten sie ruhig noch mal, Husten ist Whats App für Rentner. Die morsen damit untereinander“ – und dann erzählte „Günna“ aus seinem Leben. Der rote Faden seiner Geschichten war im Grunde „Oppa aus’m Sauerland“, der immer mal wieder verbal auftauchte und der dem „Günna“ das Leben auf dem Land näher gebracht hat.

Gelegentlich waren die Witze platt und schon oft gehört – „Wo alle Straßen enden, da ist Menden“ – aber an Vielem war Wahres dran. Zum Beispiel an der Wortkargheit der Sauerländer, die noch ausgeprägter sei als die der Dortmunder. Google sei weiblich, dort stellt man eine Frage, und bevor sie ausgeschrieben ist, gibt’s schon die Antwort. In Lüdenscheid ist’s 300 Tage kalt, der Rest ist Winter, und der japanische Klamottendesigner von H & M (Hager und Mager) heiße „Zu Eng“.

Knust zog kreuz und quer Hobbies, Berufe und das Leben durch den Kakao, wetterte gegen das Internet, gegen Lehrer, Radfahrer und gern auch gegen Nordic Walker, die mit ihren Stöcken die armen Schnecken aufspießen und so zum Döner machen. So flossen die Stunden mit schönen Sprüchen und schon oft Gehörtem dahin. Angenehm unterschied sich der Comedian von seinen Mitstreitern dadurch, dass er nicht ostentativ selbst über seine Witze lachte, sondern dem Publikum die Reaktion überließ. Die im Vorfeld angekündigte Stand-up-Comedy vermisste man allerdings gänzlich. Erst am späten Abend verließen „Günnas“ Fans zufrieden den fast ausverkauften Kulturhaussaal.

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