Rarität oder Fälschung

Detlev Kümmel als TV-Experte bei „Bares für Rares"

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Detlev Kümmel und die Miniaturausgabe von „Bares für Rares“.

Lüdenscheid - Nervosität ist nicht so sein Ding. Wer den Galeristen und Antiquar Detlev Kümmel aus Brügge kennt, weiß, dass er eigentlich nie um einen Spruch verlegen ist. Vermutlich ebnete ihm genau das den Weg ins ZDF, genauer gesagt, in die Sendung „Bares für Rares“, eine Trödelshow, die inzwischen mit respektablen Einschaltqouten aufwarten kann.

Das Format: Vom alten Küchenschrank der Oma bis hin zum einzigartigen Sammlerstück – moderiert von Entertainer Horst Lichter kann man einem Expertenteam Raritäten anbieten. Die werden geschätzt und mit einem Quäntchen Glück zu einem guten Preis noch vor Ort an Antiquitätenhändler verkauft. Einer dieser TV-Experten ist Detlev Kümmel.

„Wir drehen in Köln-Pulheim“, sagt er an diesem Morgen in der Galerie an der Volmestraße in Brügge, als sei das das Normalste der Welt, „ich war früher auch mal Experte beim ,Trödeltrupp’, das wusste kaum einer. Aber das war nichts für mich. Ich bin viel auf hochwertigen Messen unterwegs, und da kommen auch die Redakteure solcher Sendungen wie ,Bares für Rares’ hin. Da hat man mich gefragt, ob ich Lust hätte auf ein neues Sendungsformat. Aus dem ist dann zwar nichts geworden, aber ich war bei denen in der Schublade.“

Das war im Herbst 2015. Seitdem sitzt der Lüdenscheider als Experte in der Runde derer, die die Raritäten anderer bewerten. 15 Folgen mit ihm wurden bereits ausgestrahlt, 30 weitere sind gerade abgedreht und werden ab Oktober zu sehen sein.

Montags bis freitags sendet das ZDF jeweils ab 15 Uhr„Bares für Rares“. Verkäufer bewerben sich, bringen ihre „Schätze“ mit, die pro Folge von jeweils drei Experten begutachtet und deren Werte realistisch eingeschätzt werden. „Nicht nur Kunst“, sagt Kümmel, „das sollen Expertisen zum Anfassen sein. Schmuck, Antiquitäten oder auch einfach nur Kurioses – die Mischung macht’s.“ Wichtig sei die Geschichte hinter den angebotenen Stück, der Weg, den die Antiquität zurückgelegt hat, bis sie vor Detlev Kümmel auf dem Tisch liegt. Sechs Objekte würden pro Sendung bewertet, zwei für jeden der Experten. Danach wird das gedrehte Material gerafft und geschnitten: „Vieles kann man gar nicht senden. Wer will denn fünf Minuten lang zusehen, wie sich der Kümmel ein Teil anguckt?“

Was ihm gefällt an der Fernseharbeit ist zum einen der Umgangston: „Man fühlte sich irgendwie bei denen vom ersten Tag an wie zuhause.“ Zum anderen ist da die Arbeit - „das ist ja schließlich genau das, was ich sonst auch den ganzen Tag mache. Am besten ist immer, wenn die Leute gar nicht wissen, welchen Schatz sie da haben. Und jeder will ja auch nicht unbedingt ins Fernsehen. Und wenn man ihnen dann eine Summe sagt. Oder wenn sie glauben, sie haben was Teures, und ich muss ihnen dann sagen: Sorry, das ist eine Fälschung. Den Gesichtsausdruck, den kann man nicht nachstellen. Das muss beim ersten Mal perfekt in der Kamera sein.“ So oder so sei der Anspruch der Sendung, den Leuten, die verkaufen wollen, einfach ein gutes Gefühl zu geben, ob sie nun verkaufen oder nicht.

Das Kurioseste, das ihm bislang untergekommen ist? Detlev Kümmel denkt nicht lange nach und lacht: „Das war ein Toiletteneimer von Villeroy und Boch aus Keramik. Da sitzt einem dann der Verkäufer gegenüber, und man muss eine seriöse Expertise über einen Toiletteneimer abgeben – mit Horst Lichter an seiner Seite. Das war nicht einfach.“

Der Galerist lebt nach der Devise „Man muss den Mut haben, auch hässlichen Dingen eine Chance zu geben“. Auf die Art und Weise hat er dann Manni Ludolf kennengelernt. Und das, was der kultige TV-Schrotthändler als „seine Malerei“ bezeichnet. Und ihn für das nächste Wochenende in die Galerie nach Brügge eingeladen – aber das ist eine andere Geschichte.

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