Blinder Masseur und Physiotherapeut Hans-Helmut Maurer geht in den Ruhestand

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Hans-Helmut Maurer geht in den Ruhestand: 28 Jahre lang leitete der blinde Masseur und Physiotherapeut seine Praxis. Geschenke gab’s von seinem Team und treuen Patienten.

Lüdenscheid - „Ach, das ist ein Vorurteil“, sagt Hans-Helmut Maurer und widerspricht der Einschätzung, dass er als blinder Masseur und Physiotherapeut mehr Gefühl für die Behandlung seiner Patienten hat.

Der 61-Jährige hat seine Praxistür an der Friedrichstraße abgeschlossen und ist nun im Ruhestand – nach 28 Jahren Selbstständigkeit: „Es war eine schöne Zeit. Das Glas füllt sich nicht nur, sondern es ist gefüllt bis oben hin.“ Wenn er an seine Patienten denkt, kommt ein wenig Wehmut auf, denn sehr viele sind ihm lange Zeit treu geblieben. „Aber die Zeit ist nun reif, um zu gehen.“ Patienten loben sein Einfühlungsvermögen. Maurer lächelt: „Ich versuche, meinen Patienten in die Seele zu schauen und intensiv auf sie einzugehen. Das ist auch Teil meiner ganzheitlichen Therapie, die auf Körper, Geist und Seele eingeht.“

Aus Siebenbürger kommt er – „wie Peter Maffay“ – machte dort sein Abitur, zu dieser Zeit bereits mit einer erheblichen Sehschwäche. Der Graue Star war angeboren. Im Alter von 20 Jahren erblindete Hans-Helmut Maurer. Er absolvierte eine Ausbildung zum Masseur und Physiotherapeuten, arbeitete in Lüdenscheid zunächst in einer Praxis an der Wilhelmstraße, danach im Krankenhaus und machte sich anschließend selbstständig. „Ich habe meinen Beruf immer als Chance für mich gesehen.“ Und die hat er mit seiner eigenen Praxis ergriffen. Seine Blindheit habe gerade bei Frauen mit Brustkrebs die Hemmschwelle gesenkt, meint eine seiner Helferinnen. „Überhaupt – die Patienten vertrauen ihm blind“, sagt sie, „auch wenn sich das jetzt ein wenig komisch anhört.“

„Viele Patienten haben mir die Treue gehalten. Die Rückkehrquote liegt bei 90 Prozent. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei ihnen bedanken“, sagt Maurer, der sich immer sehr für ihre Hobbies interessiert hat. „Ich bin selber wissbegierig und habe in Gesprächen mit ihnen so auch viel gelernt.“ Außerdem sei dies gut für die Psyche seiner Patienten. „Sie konnten dann besser loslassen.“

Lüdenscheid sei ein Pflaster, wo es sich gut leben lasse. „Es ist für eine Großstadt zu klein und für eine Kleinstadt zu groß. Aber ich komme hier gut zurecht. Es liegt an einem selber, was man aus seinem Leben macht.“ Diese positive Einstellung, sein Witz und sein Wissen werden seinen Patienten fehlen, und seine Patienten ihm wohl auch ein wenig.

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