Der Tag des Deutschen Bieres

Lüdenscheider Bierfreunde setzen auf Marke Eigenbräu

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Guido Lange (45), Tordis Dreismann (35) und Niclas Waldheim (42) testen den Reifegrad des selbst gebrauten EM-Bieres in drei Farben (schwarz, rot, gold).

Lüdenscheid - In Glühweintöpfen geht es besonders gut. Für Niclas Waldheim sind sie die idealen Braukessel für die heimische Küche. Hier entstand auch sein Partybedarf für Samstagabend. Denn am Tag des Deutschen Bieres feiert er zugleich 500 Jahre Reinheitsgebot und seinen 42. Geburtstag. Anstoßen wird der leidenschaftliche Hobbybrauer daher – natürlich – mit Marke Eigenbräu: dem „542er Festbier“.

Wasser und Malz, Hopfen und Hefe – andere Zutaten gestattet das Reinheitsgebot dem deutschen Bier nicht. Dass trotzdem eine schier unglaubliche Vielfalt möglich ist, liegt am Erfindungsreichtum und der Experimentierfreude der Brauer, die sich auch von säuerlichen Rückschlägen nicht entmutigen lassen. 

„Süffi(g)san(f)tes Rumpelstilzchen“

Zur Szene um Niclas Waldheim, Guido Lange, Björn Ziel und Stefan Hoffmann ist Tordis Dreismann gestoßen. Ihr Erstbräu „Süffi(g)san(f)tes Rumpelstilzchen“ aus März sorgt für helle Begeisterung bei den testenden Herren mit zum Teil jahrelanger Erfahrung: „So soll’s sein.“ „Ich gebe nicht jedem davon eine Flasche“, sagt die Lüdenscheiderin. „Da steckt so viel Liebe und Arbeit drin . . .“. Inspiration fürs Etikett war das Rumpelstilzchen-Lied: „Heute back’ ich, morgen brau’ ich...“

„Die erste Flasche macht man immer zu früh auf.“

Sie stehen einen Tag lang rührend in der Küche, schreiben Bierprotokolle, sehen das „Reinheitsgebot als Einheitsgebot“, probieren Rezepte aus und begleiten jedes Neu-Gebräu mit einer Mischung aus Geduld und Ungeduld: „Die erste Flasche macht man immer zu früh auf.“ Allen ist klar: Um die Leidenschaft am Brauen zu erhalten, muss es Hobby bleiben. 

Grundlegend verändert hat sich das Trinkverhalten. „Alles, was man kaufen kann, ist ein Notfallbier geworden“, finden die Genießer. „Auf Partys“, sagt das Geburtstagskind, „trinke ich lieber Wein als ein flaches Bier.“ Samstagabend dürfte das nicht nötig sein.

Rund 700 Sorten im Angebot

Doch auch der industrielle Biermarkt setzt vermehrt auf originelle Varianten aus aller Welt, weiß David Preller, der im Edeka-Markt Preller am Buckesfeld Kunden für rund 700 Sorten hat. Es gibt Bamberger Rauchbier, im Holzfass gereiftes Duckstein-Weizen-Cuvée, Scotch-Ale oder zwölfprozentigen Eisbock – „irre“, staunt selbst der Bierkenner, der am liebsten mit einem Kölsch auf den Tag des Deutschen Bieres anstoßen würde. Aber Braumeister-Varianten wie „Marc’s Chocolate Bock“ zeigen: Die sogenannten Craft-Biere in kleiner, handwerklich hergestellter Auflage sind im Kommen. Ob belgisches „Champagner“-Bier mit klassischem Kork-Verschluss, ob „Gipfelglück“, „Lebensfreude“, „Allgäuer Öko“, glutenfrei oder vegan – Biervielfalt hat Zukunft, glaubt Preller. Jetzt muss er seinen Kunden nur noch erklären, dass es das „Frei-Bier“ aus dem Regal nicht umsonst gibt.

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