Zivilstreit geht in die nächste Runde

Berufung nach HNO-Kunstfehler im Klinikum

Lüdenscheid - Der Zivilstreit nach einem schweren Behandlungsfehler in der HNO-Abteilung des Klinikums Hellersen geht in die nächste Runde: Nach Auskunft von Dr. Julia Nolting, stellvertretender Pressesprecherin des Oberlandesgerichts Hamm (OLG), ist dort eine Berufungsschrift eingegangen.

Zuvor hatte eine Zivilkammer des Landgerichts Hagen (LG) ein sogenanntes Grundurtei“ erlassen.„Dabei wurde festgestellt, dass die Märkische Gesundheitsholding sowie zwei der behandelnden Anästhesisten dem Grunde nach zur Zahlung eines Schmerzensgeldes sowie zum Schadensersatz hinsichtlich künftiger Schäden verpflichtet sind“, teilte LG-Pressesprecher Jens Berndt auf Anfrage der LN mit. Die Klage gegen fünf weitere Ärzte des Klinikums wurde abgewiesen, „weil sie nach Auffassung der Kammer nicht an einem Behandlungsfehler beteiligt waren“.

Bis auf eine relativ geringe Schadensersatzzahlung in Höhe von 1800 Euro hatte die Kammer im Rahmen des Grundurteils noch nicht über die Höhe des zu leistenden Schmerzensgeldes sowie über die Höhe des „Schadensersatzes hinsichtlich künftiger Schäden“ entschieden. Dabei dürfte es um eine sechsstellige Summe gehen.

Betroffene brauchen langen Atem

Der Vorfall, der dem langjährigen Zivilverfahren zugrundeliegt, ereignete sich am 9. Juli 2008 – ein Datum, das deutlich macht, wie lang der Atem von Betroffenen in Zivilprozessen nach ärztlichen Kunstfehlern sein muss. An diesem Tag sollte bei dem Patienten Matthias Miemczyk eine routinemäßige Operation an den Nasennebenhöhlen gemacht werden. Ein gerichtlich beauftragter Gutachter stellte später fest, dass der Patient durch eine unzureichende Narkose zu früh wiedererwacht war und durch eine unwillkürliche Bewegung im Rachenraum mit einem messerartigen Operationsgerät „zusammenstieß“. Dadurch wurde eine der zentralen Arterien verletzt, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgen. Der Patient fiel ins Koma, überlebte nach dem Transport ins Klinikum Essen nur knapp und kämpfte sich in den Folgejahren mühsam ins Leben zurück. Im Landgericht Hagen konnte er an der jüngsten Verhandlung gemeinsam mit seinem Vater Eugen Miemczyk teilnehmen.

Grundurteil entlastet beteiligte HNO-Ärzte

Das Grundurteil des Landgerichts entlastete die an der Operation beteiligten HNO-Ärzte, die vor der gerichtlichen Klärung der mutmaßlichen Ursache des lebensgefährlichen Zwischenfalls ebenfalls Ziel der Klage gewesen waren.

Der damalige Oberarzt der Abteilung für Anästhesie im Klinikum Lüdenscheid und ein Assistenzarzt sowie die Märkische Gesundheitsholding als Trägerin des Klinikums wurden jedoch grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Ohne die Berufung vor dem Oberlandesgericht hätte im Landgericht nun über die Höhe des zu leistenden Schadensersatzes und Schmerzensgeldes verhandelt werden müssen. Doch nun muss zunächst das Oberlandesgericht über den Einspruch gegen das erlassene Grundurteil verhandeln. Wann das passieren wird, ist noch nicht bekannt. Die Kammer des OLG habe noch kein neues Aktenzeichen vergeben, teilte Nolting mit.

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