Behinderte diskutieren über barrierefreie Altstadt

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Hans Jürgen Badziura (rechts) vom Fachdienst Umweltschutz und Freiraum erläuterte den Behindertenvertretern den Stand der Planungen zum Integrierten Handlungskonzept Altstadt.

Lüdenscheid - Komplexe Themen lässt man sich am besten von Fachleuten erklären. Dieser Gedanke steckt hinter dem Bemühen der Behindertenvertreter, sich regelmäßig Gäste aus der Stadtverwaltung einzuladen. Diesmal ging es um den Stand des Integrierten Handlungskonzeptes Altstadt (IHK).

Hans Jürgen Badziura vom Fachdienst Umweltschutz und Freiraum sowie Susanne Krawczak vom STL versuchten, Einblicke in Entscheidungswege und Pläne zu vermitteln – ein aus mehreren Gründen nicht ganz einfaches Unterfangen, wie sich herausstellte. Als Susanne Krawczak noch vom aktuellen Stand einer – längst abgehakten – VHS-Verlagerung ins Kulturhaus sprach, griff Hans Jürgen Badziura korrigierend ein. Doch auch bei Mitgliedern der Interessenvertretung herrschte Verwirrung. Dass ein Investor ursprünglich mal eine Alternativlösung in Altstadt-Häusern durchgerechnet hatte, war in Teilen der Versammlung als Fakt angekommen, der nun den Neubau in Frage stelle.

Henning Schwartz (Leben mit Usher-Syndrom) nutzte erneut die Gelegenheit, die Aufmerksamkeit von der Altstadt auf die Plätze zu lenken und beklagte einmal mehr die fehlenden Leitlinien dort. Zudem forderte er eine Abgrenzung der Außengastronomie. Das sei nicht gegeben, kritisierte er. Die Folge sei, „dass wir Blinden mit dem Langstock immer zwischen die Tische geraten“. Zudem würden „schöne Blumenkästen vielleicht dem Stadtbild guttun“. Auch hier gehe die offizielle Diskussion zu diesem „Riesenthema“ seit langem in eine andere Richtung, erläuterte Hans Jürgen Badziura: „Diese Einhausung soll eben nicht sein.“

Sehr wichtig ist den Menschen mit Behinderungen, auch das wurde an diesem Abend deutlich, eine Barrierefreiheit des Kulturhauses. Die allerdings, so erläuterte Badziura eingangs, sei aus Kostengründen aus dem IHK gestrichen worden. Was drin ist, bedeute aber auch schon die Erfüllung wichtiger Forderungen. Und damit kam man auch endlich auf eine Grundkompetenz der Freiraumplaner zurück: das Pflaster. Man plane zum Beispiel eine Neupflasterung der Wilhelmstraße, was das Ende des rutschigen Klinkerpflaster bedeuten würde. Ganz wichtig auch: Um die Altstadt barriereärmer zu machen, verfolge man Ideen von Laufbändern bis hin zu abgeschliffenen Wegen. Badziura: „Wir möchten die Altstadt besser erschlossen sehen für Menschen mit Handicap.“ Daran, so versprach er, werde man auch gemeinsam arbeiten.

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