„Glaube.Liebe.Leichenschau“

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Die Lüdenscheider Altstadt hat’s dem Krimiautoren Jörg Steinleitner angetan.

Lüdenscheid - Geschichten um Mord und Totschlag, die nicht irgendwo in der Bronx oder am Zuckerhut angesiedelt sind, haben derzeit Hochkonjunktur. Wie bestellt reiht sich da die neue Anthologie „Glaube.Liebe.Leichenschau“, Mord am Hellweg VIII, in die Reihe jener mysteriösen Mordgeschichten ein, die sich quasi um die Ecke abspielen. Das Kopfkino ist garantiert, das Zentrum des Bösen liegt gleich nebenan.

23 Schriftsteller haben in diesem Jahr den Auftrag erhalten, für die Anthologie einen Mord in einer der am Krimifestival beteiligten Städte zu konstruieren. 175 Mordgeschichten, so schreibt Dr. Herbert Knorr, federführender Organisator des Festivals, in seinem Vorwort, habe man inzwischen in den Anthologien seit 2002 präsentieren können. Auftragskiller und Meuchelmorde, versehentliche Tote und Eifersuchtsdramen – die Palette ist groß und die Anthologie immer lesenswert.

Für gewöhnlich kommen die Autoren Monate vor dem Abgabeschluss in die entsprechenden Städte zwischen Oelde, Holzwickede, Lüdenscheid und Soest. Der Rechtsanwalt und Autor Jörg Steinleitner, der für die Anthologie die Geschichte „Die Illuminaten von Lüdenscheid“ beisteuerte, besuchte die Bergstadt, ließ sich die Eigenheiten der Menschen und das Flair der Altstadt samt zugehörigem Konzept erklären und entwickelte daraus seine Mordgeschichte. Natürlich wird sie an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt, immerhin besucht Steinleitner am 27. Oktober (Donnerstag) ab 19.30 Uhr das Sparkassentheater und wird in einer kabarettistischen Lesung auch auf seinen Anthologie-Beitrag eingehen. Karten für die Lesung sind noch bei Thalia zu haben. Nur so viel: Das Logenhaus ist Schauplatz und auch der Gasthof Pretz. Der Protagonist ist ein Tegernseer Polizeichef, der sich in Lederhose und Trachtenhut mit Gamsbart ins Sauerland aufmacht. Nicht, weil er unbedingt will, sondern weil’s der Hauptgewinn einer Tombola war: Drei Tage Lüdenscheid.

Lohnenswert, weil amüsant, ist die Geschichte von Sascha Gutzeit „Stirb schnell im Hellweg-Express“, stellt sie doch die Kapriolen eines potenziellen Selbstmörders in den Mittelpunkt, dessen Weg zwar Leichen pflastern, er selbst aber irgendwie nicht zum Zuge kommt. Sebastian Fitzek, gemeinhin der Meister der Spannung, verewigte sich mit „UNNAtürlich“ und einem Kurzkrimi, der arg konstruiert daherkommt. Ohnehin wirkt die eine oder andere Geschichte so, als hätten die Autoren ein paar Sehenswürdigkeiten oder Eigenheiten der Städte am Hellweg herausgepickt und darum herum eine Geschichte erfunden, die man problemlos von einer in die andere Stadt transportieren könnte – ähnliche Sehenswürdigkeiten vorausgesetzt.

Wohltuend hebt sich davon jene Geschichte des Krimiautoren Rainer Wittkamp ab: „Iserlohner Reinheitsgelübde“. Eine schlüssige Geschichte mit dem zwingend notwendigen Toten und einem überraschenden Ende, wenn man mal davon absieht, dass der Autor die Brauerei – absichtlich oder irrtümlich – vom Grüner Tal in die Iserlohner Heide verlegte. Hübsch liest sich auch Elisabeth Herrmanns „Letzter Ausstieg Ahlen“, ein Kurzkrimi um zwei alte Damen, die auf dem Weg nach Köln durch einen Stellwerkschaden in Ahlen stranden und vom Hotelfenster nächtens auf dem Fabrikgelände gegenüber einen Mord beobachten.

Glaube.Liebe.Leichenschau

Mord am Hellweg VIII

grafit-Verlag

348 Seiten, 12 Euro

ISBN: 978-3-89425-474-2

Jörg Steinleitner

Krimikabarett „Sagt der Horst zum Scheich“

Donnerstag, 27. Oktober, 19.30 Uhr im Sparkassentheater

Vorverkauf bei Thalia: 14,90 Euro (ermäßigt 12,90 Euro), Abendkasse: 18 Euro (16 Euro)

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