Amtsgericht: Strafe für Besitz von Kinderpornos

Lüdenscheid - Erwachsene Männer, die kleine Mädchen zu Oral- und Geschlechtsverkehr zwingen und sie dabei fotografieren – 1381 solcher kinderpornographischer Bilder hat der Rentner (49) auf mehreren seiner Rechner gehabt.

Rund 37 000 solcher Dateien waren laut Gutachter bereits gelöscht, konnten aber rekonstruiert werden. Das alles ist unstrittig. Doch der Angeklagte, verteidigt von Rechtsanwalt Holger Becher, streitet ab, von den Fotos gewusst zu haben.

Als er – geschieden und Vater zweier Kinder – noch als Autoschrauber seine Brötchen verdiente, hatte er zuletzt eine Werkstatt an der Lennestraße gemietet. Sein Vermieter war EDV-Kaufmann und hatte angeblich den Werkstattschlüssel – und damit Zugang zu den Computern des Mieters. „Er war an meinem Rechner“, behauptet der Angeklagte. Denn die beiden hatten sich zerstritten.

Doch der EDV-Experte (50) weist den Verdacht, seinem Widersacher die Bilder untergeschoben zu haben, zurück. Die Dateien seien „Dreck“, sagt er zu Strafrichter Thomas Kabus. „Wenn ich mitkriege, dass einer an Kinder drangeht, dann könnte ich einen Mord begehen.“

Stattdessen habe er das Material bei einer Reparatur des Laptops seines Mieters gefunden und zur Polizei gebracht. Die Kripo durchsucht die Wohnung des Verdächtigen, findet weitere verbotene Fotos auf Speicherplatten und Datenträgern. Der Bruder des Angeklagten durchstöbert auf Wunsch seines Vaters, der einen bösen Verdacht hat, das elterliche Haus – und wird ebenfalls fündig.

Im Gerichtssaal fragt Verteidiger Becher den Dortmunder Computer-Sachverständigen Thomas Müller, ob es technisch möglich sei, dass der EDV-Mann seinem Mandanten die Bilder aufgespielt hat. Müller: „Das ist technisch möglich, aber nicht plausibel. Warum sollte der Zeuge dann so viele Fotos löschen oder verstecken?“

Thomas Kabus ist von der Schuld des Rentners überzeugt. Er verurteilt ihn zur Zahlung einer Geldstrafe von 4200 Euro. Das Strafgesetzbuch sieht Gefängnis bis zu drei Jahren vor.

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