Amtsgericht: Porno-Anbieter um Honorar betrogen

Lüdenscheid - Es ist eine lästige Rechnerei manchmal. Juristen sind schließlich keine Mathematiker. Aber wenn es um Betrug geht und um die Suche nach der gerechten Strafe, dann muss halt mal der Taschenrechner auf den Richtertisch. Das Ergebnis: 5520,16 Euro. Um diesen Betrag hat ein Fabrikarbeiter (39) aus Lüdenscheid mehrere Internetfirmen geprellt. 

Der Besuch und das Abonnement von verruchten Pornoseiten ist eben teuer. Aber in 19 Fällen hat der Mann kurzerhand die Kontonummer seiner Eltern genannt. Mit denen ist er sowieso verkracht. „Ich wollte ihnen irgendwie eins auswischen.“

Die Mutter des Angeklagten wuchtet sich in den Zeugenstand. Die 62-Jährige berichtet, warum das Verhältnis zerrüttet ist. „Er wird bald 40. Seit er 18 ist, macht er nur Blödsinn.“ Unter anderem hat ihr Mann – Stiefvater des Angeklagten – wohl für einen Kredit über 14 000 Euro gebürgt, damit der Sohn sich ein Auto kaufen kann. „Und wir mussten den Kredit dann abbezahlen.“ Außerdem habe ihr Sohn sie am Telefon „heftig beschimpft“.

Davon ist der Mann neben Strafverteidiger Rolf Holthaus jetzt meilenweit entfernt. Er kauert gebeugt, vermeidet, seine Mutter anzusehen und fühlt sich sichtlich unwohl in ihrer Anwesenheit. Sie hat das Geld zurückbuchen lassen. Der Schaden bleibt bei den Anbietern hängen. Abstreiten hat keinen Zweck. Immerhin hat er zum Teil sogar unter seinem richtigen Namen schlüpfrige Dienstleistungen gekauft, mal auch mit dem Namen seiner Eltern, mal mit deren Kontonummer, mal mit seiner eigenen, mal mit einem gefälschten Geburtsdatum. Ein Durcheinander.

Holthaus spricht über die „abenteuerlichen Anmeldeverfahren“ von Anbietern und Bezahldiensten. Die machen es Kunden leicht, einen Betrug zu begehen. Einfach Kontodaten und Personalien angeben, auf „Lastschriftverfahren“ klicken – fertig. Der Staatsanwalt kontert: „Das kann ich bei Amazon auch!“

Nach sechs Vorstrafen – Verkehrsdelikte, aber auch Eigentumskriminalität – und zwei verbüßten Haftstrafen wird die Luft dünn für den Delinquenten. Doch die letzte Straftat liegt schon acht Jahre zurück. Seit er Vater ist, hat er nichts mehr verbrochen. Bis auf die betrügerischen Porno-Abos.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Jürgen Leichter verurteilt den Mann zu einer Geldstrafe von 5000 Euro. Die Internet-Firmen werden sich ihr Geld außerdem zurückholen.

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