Amtsgericht: Die Kurve kriegen, aber zu Fuß!

Lüdenscheid - Strafrichter Thomas Kabus hat es messerscharf erkannt. „Als Betreiber einer Kfz-Werkstatt ist man auf die Fahrerlaubnis angewiesen.“ Das weiß der Angeklagte, ein 33-jähriger selbstständiger Autoschrauber, natürlich auch. Er hat trotzdem keinen Führerschein mehr. Und ist dennoch Auto gefahren, an einer Tankstelle an der Talstraße, vor einer Werkstatt. Und erwischt worden. „Ich dachte, ich bin auf einem Privatgelände.“

Doch da irrt der Lüdenscheider gewaltig. Der Oberamtsanwalt belehrt ihn darüber, dass es „nicht auf den Besitz der Fläche ankommt, sondern darauf, dass sie für jedermann zugänglich ist“. Dass er also nach langen Reparaturarbeiten an einem Opel mal eben eine kleine Runde vor der Schrauberbude gedreht hat, erfüllt den Tatbestand des Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Am hellen Tage, während normaler Arbeitszeit, wäre er den beiden Streifenpolizisten vielleicht gar nicht aufgefallen. Aber sie waren auf Verkehrskontrolle unterwegs, und als sie den rollenden Opel bemerkten, schlug es 2.45 Uhr. Einer der Beamten sagt im Zeugenstand: „Er wollte in Fahrtrichtung Lüdenscheid auf die Talstraße einbiegen, doch dann stoppte er und setzte zurück, weil er uns gesehen hat.“ Dass der Schrauber zu allem Überfluss unter Drogeneinfluss stand, wirft ebenfalls kein gutes Licht auf ihn.

Strafrichter Kabus liest aus dem Vorstrafenregister vor, 13 Einträge, alles mögliche zwischen Körperverletzung, Straßenverkehrsgefährdung, Diebstahl und – Fahren ohne Fahrerlaubnis. Es sei „wirklich die letzte Chance, noch die Kurve zu kriegen“, ermahnt der Richter den Angeklagten. Der muss die Kurve jetzt zu Fuß kriegen. Vier Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung, so lautet das Urteil, zwei Jahre Entzug der Fahrerlaubnis und 1000 Euro Geldbuße an die Landeskasse.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare