Polizist vor Gericht: Er soll Gefesselten getreten haben

Lüdenscheid - „Der Tritt in den Rücken eines Gefesselten ist keine Pillepalle-Geschichte!“ Sagt Strafverteidiger Christoph Arnold. Sein Mandant, ein 25 Jahre junger Polizist, kämpft gegen den Vorwurf der Staatsanwaltschaft und um seine berufliche Existenz. Es geht um eine Anklage wegen Körperverletzung im Amt. Doch am Ende des Strafverfahrens steht für ihn ein Freispruch – in dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten.

26. Februar 2015, es hat Bier gegeben zum Fußball, Gladbach hat gegen Sevilla verloren, der Abend hätte schöner sein können. Da schellt es an der Buckesfelder Straße an einer Wohnungstür. Schon wieder die Polizei! Der Nachbar im Erdgeschoss hat sich mal wieder über Lärm beschwert.

„Wir kannten die Adresse“, sagt der Angeklagte. Eine Zeugin meint, der Nachbar unten habe „schon gefühlte 100mal die Polizei gerufen.“ Der Polizist erinnert sich: „Aber wir haben keine Ruhestörung festgestellt.“ Eine andere Zeugin, die angeblich die Quelle des Lärms war, sagt: „Wir haben nur Mensch ärgere dich nicht gespielt.“ Das könne der Nachbar gegenüber bestimmt bestätigen.

Also wird geschellt. Ein 53-Jähriger Mann öffnet, ärgert sich über die Anwesenheit der Uniformierten, es entsteht ein hitziger Meinungsaustausch. Der Polizist: „Der ließ sich gar nicht beruhigen.“ Die Kollegin bestätigt. Sein Gegenüber habe eine deutliche Fahne gehabt. Der Mann landet im Polizeigewahrsam.

Tritte in den Rücken

Der 53-Jährige sagt im Zeugenstand: „Er hat mir in die Kniekehlen und in den Rücken getreten.“ Seine Ehefrau stand direkt daneben. Sie erinnert sich an nur einen einzigen Tritt. Die beiden geben bei der Polizei „unangemessenes Verhalten“ zu Protokoll und beschweren sich. Dann unterschreiben sie das Protokoll. Von Tritten ist darin keine Rede. „Habe ich aber gesagt“, so der Zeuge. „Ich hatte das Gefühl, er schreibt nicht auf, was ich sage.“ Rechtsanwalt Arnold: „Warum haben Sie das dann unterschrieben?“ Der Zeuge: „Ich hab’s nicht gelesen.“ Die Strafanzeige kam später.

Die Nachbarin will auch was gesehen haben: einen Tritt des Polizisten in den Rücken. Zweimal hat sie das bei der Polizei ausgesagt. Vor Gericht sagt sie aber: „Nein, in die Kniekehle.“ Zu viele Widersprüche.

Der Polizist musste wegen des Verfahrens seine Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit verschieben. Und seine ersehnte Versetzung zum SEK Dortmund ist zunächst geplatzt. Der Jubel über den Freispruch hält sich in Grenzen.

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