Amtsgericht: Folgen einer „netten“ Familienfeier

Lüdenscheid - Es muss ein „nettes“ Familientreffen gewesen sein: liebe Verwandte, schmackhaftes Buffet, reichlich Wodka, eine ordentliche Prügelei, zum Schluss ein Polizeieinsatz – und eine Anklage wegen Körperverletzung, Beleidigung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Strafverteidiger Dominik Petereit hat’s nicht leicht. Sein Mandant ist störrisch.

Der kantige Kasache (42), Hartz-IV-Empfänger, wird in Handschellen vorgeführt. Er ist seit zehn Jahren in Deutschland. Er verehrt – das zeigt seine Kleidung – den FC Bayern. Seine geschiedene Frau verehrt er nicht mehr. Sie ist es, die er attackiert haben soll, weshalb seine Schwägerin die Polizei ruft an diesem Abend.

Drei Polizisten rücken an. Einer sagt im Zeugenstand: „Wir wollten ihn rausbugsieren, er hat um sich getreten und sich gesperrt.“ Dann habe man ihn am Boden liegend gefesselt. Ein anderer beschreibt den Angeklagten als „dominant rechthaberisch“. Der Dritte, noch in der Ausbildung, zitiert den 42-Jährigen mit dem Satz: „Ich habe in mehreren russischen Kriegen gekämpft.“ Und es sei auch zu dritt „schwierig“ gewesen, die Festnahme umzusetzen. Die Staatsanwältin spricht unter anderem von Tritten gegen die Beamten und dem Spruch: „Ihr seid schwul, ihr Scheiß-Bullen!“

Der Schwager des Angeklagten war dabei. Als Verwandter darf er die Aussage verweigern – und tut das auch. Ebenso die Ex-Gattin des Kasachen. Sie lassen sich die Fahrtkosten vom Gericht erstatten und fahren wieder nach Hause. Die Schwägerin kann sich erinnern, dass der rabiate Gast „sehr unruhig“ war. „Und dann saßen alle drei auf ihm drauf.“ Einer der Polizisten erinnert sich an Knie-Schmerzen danach. Ein Attest gibt es darüber nicht. Der Angeklagte, acht Vorstrafen, streitet alles ab und sagt: „So wird nicht mal ein Tier behandelt.“ Er sei am Rücken verletzt worden.

Strafrichter Andreas Lyra räumt ein, auch Polizisten hätten „nicht immer ihren besten Tag“. Aber die Situation sei „sehr einfach“ zu erklären. „Wo gehobelt wird, fallen Späne.“ Das Urteil: drei Monate mit Bewährung. Und der gute Rat für den 42-Jährigen: „Einfach mal weniger saufen! Und einfach keine Straftaten mehr begehen!“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare