Amtsgericht: Für 200 Euro Luxus-Ballons erschwindelt

Lüdenscheid - Sie hat den Kopf in den Sand gesteckt – und irgendwann wohl komplett den Überblick verloren. Anders ist es kaum zu erklären, dass die hoch verschuldete Arbeitslose (38) vor einem Jahr im Internet Luftballons und Zubehör für mehr als 200 Euro bestellt hat – obwohl sie kein Geld hatte.

Dafür muss sie sich jetzt wegen vorsätzlichen Betruges vor Strafrichter Andreas Lyra verantworten. Der hat keine Zeugen vorgeladen, die Beweislage ist klar. Und vor dem Richter wiederholt die Lüdenscheiderin zerknirscht ihre Aussage, die sie schon bei der Polizei gemacht hat. „Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe, dazu stehe ich auch.“

Wenn es nur ein einziger Fehler gewesen wäre! Als sie die Heliumballons mit allem Zubehör – für eine Hochzeit bestimmt – bestellte, hatte sie kurz zuvor „die Finger gehoben“, wie man so sagt. Rund 10 000 Euro Schulden waren aufgelaufen, unter anderem für Handyverträge. Das brachte ihr einen Schufa-Eintrag ein. Und deshalb konnte sie die Luxus-Ballons auch nicht unter ihrem eigenen Namen gegen Rechnung bestellen, sondern gab den Namen ihrer Tochter an.

Der Richter hebt die Augenbrauen. „Sie haben bisher nicht einen Cent zurückbezahlt.“ Die Frau schweigt. Die Amtsanwältin fügt hinzu: „Sie haben das Vertrauen des Anbieters ausgenutzt.“ Die Angeklagte schweigt. Inzwischen, mit Mahn- und Inkasso-Gebühren, hat sich der Preis für die Luftballons auf mehr als 400 Euro erhöht. Dazu kommt die Geldstrafe für den Betrug: 600 Euro.

Die Angeklagte verzichtet auf Rechtsmittel und sagt leise: „Tschüs.“

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