Amtsgericht: Bewährung nach großem Absturz

Lüdenscheid - Staatsanwältin Ina Pavel nennt es „eine schwarze Phase im Leben“. Strafrichter Thomas Kabus sagt: „Sie sind absolut abgestürzt, aus welchem Grund auch immer.“ Doch die Zeiten scheinen besser zu werden für den 35-jährigen Gerüstbauer. Auch wenn er jetzt seine inzwischen siebte Verurteilung am Hals hat – zehn Monate Gefängnis, aber immerhin mit Bewährung. „Ich führe ein geregeltes Leben, habe Arbeit und nehme seit dem 20. Juni keine Drogen mehr.“

Das war vor wenigen Monaten noch anders. Der verheiratete Mann und Vater zweier Kinder, hat Probleme in der Ehe, „das war eine schwierige Zeit für mich“. Er kommt in Kontakt mit Drogen, fährt ohne Führerschein immer wieder mit dem BMW seiner Frau durch die Gegend, baut Unfälle, flieht vom Tatort, wird mit Drogen aufgegriffen, sitzt weiter zugedröhnt am Steuer, eine Anzeige nach der anderen läuft auf, zuletzt sind es neun Verfahren, die der Richter zur Hauptverhandlung miteinander verbindet.

„Was ich da alles gehört habe“, sagt der kräftige Kerl nach Verlesung der langen Anklageschrift, „dafür schäme ich mich“. Und fügt an: „Ich gebe alles zu.“ Doch das bleibt zunächst eine Absichtserklärung. Denn wenn es um Drogenfunde in dem BMW geht oder um ein im Hotel vergessenes Rauschgift-Päckchen, dann blockt er ab. „Dazu möchte ich nichts sagen.“

Oder wenn es um ein Springmesser geht, dass Polizisten ihm aus der Tasche zogen. „Das war nicht meins, das gehört meinem Vater, der wollte mich damit abstechen.“ Im Polizeiprotokoll findet sich ein Vermerk, nach dem der Vater das Gegenteil behauptet. Es gab demnach einen Streit, weil der 35-Jährige Geld für Drogen erbetteln wollte, der Vater aber hart blieb. Einen Verteidiger hat der Angeklagte nicht. „Ich konnte nicht bezahlen, da hat er sein Mandat niedergelegt.“ Angesichts des eher halbgaren Geständnisses reagiert die Staatsanwältin sauer. „Sie hätten es hier einfacher haben können.“

Doch es kommt noch schlimmer für den Gerüstbauer. Denn im Zuschauerraum sitzt die mittlerweile getrennt von ihm lebende Ehefrau, Mutter seiner Kinder. Und ausgerechnet jetzt soll er erklären, was er nachts in dem BMW mit zwei Frauen zu tun hatte. „Muss ich das sagen vor allen Leuten hier? Ich habe mit den beiden im Auto ‘ne Nummer geschoben.“

Doch die Frau lächelt ihn an. Und draußen vor dem Gerichtsgebäude rauchen sie zusammen eine Zigarette.

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