Aktionstag verbindet Erreichtes mit Wünschen

Dietmar Klebon (links), selbst aktiv im Interessenverband für Unfallverletzte, stellte sich dem Interview mit Thomas Gnatowski.

Lüdenscheid - Vieles wurde in Lüdenscheid bereits im Hinblick auf eine barrierefreie Stadt umgesetzt. Aber es gibt noch etliche weitere Ziele und Wünsche: Das war die Botschaft, die die Akteure am Samstag beim Aktionstag für Menschen mit Behinderungen im Stern-Center vermittelten.

Nicht zuletzt deshalb betonte die Ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt, Monika Schwanz, bei der Eröffnung: „Wir wollen nicht protestieren.“ In Lüdenscheid werde ein Aktionstag veranstaltet und nicht wie in anderen Orten ein Protesttag. Bürgermeister Dieter Dzewas erklärte als Schirmherr der Veranstaltung, dass er in seiner Amtszeit lernen musste, „dass es mit einer Maßnahme nicht getan ist.“ Oft seien Kompromisse nötig, denn was dem einen Barrierefreiheit verschaffe, könne unter Umständen ein Hindernis für andere sein. Wichtig sei es, die Sensibilität für verschiedene Bedürfnisse zu schärfen.

Weniger Zuspruch als erhofft erhielt das Wunschbuch, das neben der Bühne auslag, um Anliegen der Bürger für mehr Barrierefreiheit aufzunehmen, bedauerte Monika Schwanz. Aber einige Einträge gab es – mal allgemeiner Natur wie „Barrierefreiheit in den Köpfen von Rat und Verwaltung“, mal sehr konkret mit Hinweisen auf einen verengten Bürgersteig an der Bushaltestelle Ludwigstraße und ein fehlendes Geländer an der Treppenanlage vor der Post-Apotheke. Gewünscht wird auch ein taktiles Leitsystem für Sehbehinderte auf Rathaus- und Sternplatz.

Aktionstag der Behinderten im Stern Center Lüdenscheid

Als Interviewpartner von Moderator Thomas Gnatowski nahm Dietmar Klebon Kultur- und Freizeitgestaltung sowie Einkaufsmöglichkeiten in Lüdenscheid aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers unter die Lupe. So gebe es zum Beispiel nur wenige komplett barrierefreie Restaurants und Kneipen. Oft sei der Zugang noch möglich, aber spätestens wenn der Weg zur Toilette notwendig sei, werde es schwierig. In einen weiterem Interview erklärte der Sehbehinderte Markus Pfeifer, dass sich Lüdenscheid in den vergangenen Jahren positiv entwickelt habe, aber es gebe noch viel zu tun.

Wichtiger Bestandteil des Aktionstages, der mit der Unterstützung der Aktion Mensch durchgeführt wird, sind neben dem Bühnenprogramm die Informationsstände verschiedener Einrichtungen und Verbände. Dort wurde so manches intensive Beratungsgespräch geführt. Aber grundsätzlich gehe es vor allem darum, Präsenz zu zeigen, damit Bürger zumindest mitbekämen, welche Institutionen es gebe, sagten sowohl die Teams an den Ständen als auch Monika Schwanz. Das sei wichtig, wenn jemand möglicherweise einmal selbst vor einer neuen Situation durch körperliche Einschränkungen oder eine Erkrankung stehe.

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