Hausärztliche Versorgung

Ärztenetz widerspricht AOK: Versorgung mit Ärzten „schlecht“

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Landarzt

Lüdenscheid - Die hausärztliche Versorgung in der Kreisstadt ist „gut“ – sagt zumindest das Wissenschaftliche Institut der AOK. Das Ärztenetz MK Süd, Zusammenschluss niedergelassener Mediziner in Lüdenscheid und den Nachbarstädten, sieht das allerdings ganz anders.

Wie der Vorsitzende, Dr. Dirk Meinke, sagt, seien Niederlassungsmöglichkeiten für 8,5 Ärzte „keinesfalls als positive Nachricht zu werten“.

Das Ärztenetz sehe „die mittelfristige Zukunft der ärztlichen Versorgung im Märkischen Südkreis mit Sorge“, heißt es in Meinkes Stellungnahme. Speziell in Lüdenscheid müsse die Arbeit der „nicht vorhandenen Hausärzte“ auf die Schultern der noch verbliebenen Ärzte verteilt werden. Dabei spricht man im Ärztenetz von einem negativen Trend. „Denn der medizinische Versorgungsbedarf der Bevölkerung sinkt nicht etwa, sondern angesichts der zunehmend älteren und kränkeren Bevölkerung steigt er.“

In der Stellungnahme heißt es unter anderem weiter: „In den letzten Jahren haben immer wieder Kollegen bei Beendigung der aktiven ärztlichen Tätigkeit ihre Praxen schließen müssen, ohne Nachfolger zu finden, so zum Beispiel in Lüdenscheid und auch in Meinerzhagen und Altena.“ Das betreffe vorwiegend Hausärzte. Viele junge Kolleginnen und Kollegen scheuten heutzutage die ärztliche Niederlassung wegen der hohen Arbeitsbelastung in einer Einzelpraxis, der fehlenden Möglichkeit von Teamarbeit und auch wegen des finanziellen Risikos der Selbständigkeit.

Fördermöglichkeiten für unterversorgte Bereiche

Um gegenzusteuern, hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) Fördermöglichkeiten für unterversorgte Bereiche geschaffen. Im Zuständigkeitsbereich der KVWL gibt es laut Ärztenetz MK Süd „nur sechs von 111 Mittelbereichen mit einer solchen besonders ausgeprägten, hausärztlichen Unterbesetzung, also Unterversorgung.“ Dr. Meinke weiter: „Wenn wir sehen, dass drei dieser sechs unterversorgten und damit förderungswürdigen Bereiche in Lüdenscheids unmittelbarer Nachbarschaft liegen, nämlich Altena, Meinerzhagen/Kierspe und Werdohl, dann ist das schlimm und muss zu weiterem Nachdenken und Aktivitäten führen.“ Dabei sei noch nicht berücksichtigt, dass je nach Stadt 35 bis 55 Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre sind – „und also mittelfristig in den Ruhestand gehen werden“.

Nach Überzeugung der im Ärztenetz organisierten Mediziner müsse man „alle erdenklichen Anstrengungen“ unternehmen, um junge Kollegen in die Region zu holen – „und zwar alle gemeinsam: Hausärzte, Fachärzte, Krankenhäuser, vor allem das Klinikum Hellersen, Stadtverwaltungen, KVWL, Ärztekammer und Krankenkassen“.

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