Flugzeugwrack im Stadtpark

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Hautnah erlebten die Besucher des Forums die Geschichte. Edgar Schlimm hatte Trümmerreste mitgebracht.

LÜDENSCHEID - Lüdenscheid hat vergleichsweise Glück gehabt: In Zeiten des totalen Terrors durch Luftangriffe blieb die Stadt weitgehend unbeschädigt. Dennoch gab es mehrere feindliche Bomber, die abgeschossen wurden oder aus anderen Gründen im Stadtgebiet niedergingen.

Der Lüdenscheider Edgar Schlimm geht seit langem den Spuren dieser Abstürze nach und berichtete über die Ergebnisse seiner Suche im Geschichtlichen Forum des Geschichts- und Heimatvereins. Das Interesse war so groß, dass es im Vortragsraum der Stadtbücherei kaum noch freie Plätze gab. Der Grund zeigte sich sehr bald: Einige der Besucher waren selbst noch Zeuge von Abstürzen gewesen oder hatten in der Kriegszeit doch zumindestens davon gehört.

„Das habe ich persönlich gesehen“, erinnerte sich ein Besucher an den Absturz einer „Flying Fortress“. „Ich habe die Fallschirme gesehen“, machte ein anderer deutlich, dass zwei der Besatzungsmitglieder sich hatten retten können. Durch das Internet sei es möglich gewesen, die beiden Besatzungsmitglieder in den USA ausfindig zu machen, berichtete Edgar Schlimm: Bruno Latici und Mario Valente. Ihre Maschine ging am 9. September 1944 in Schöneck nieder, nachdem ihr Verband von der deutschen Abwehr bei Düsseldorf aufgerieben worden war. „Das Wrack hat bis vor ein paar Jahren noch im Stadtpark gesteckt“, erzählte Edgar Schlimm. An der Absturzstelle grub er eine Hydraulikpumpe vom turmartigen Abwehrstand und ein Ventil von einem der Sternmotoren der Maschine aus. „Da war noch kein Rost dran.“ Die Lüdenscheider wussten diese Qualität auf ihre Weise zu nutzen: Gerne transportierten sie die wertvollen Metalle der havarierten Maschinen von den Absturzstellen ab.

Eine weiteren Absturz dokumentierte Edgar Schlimm durch Trümmerstücke, die er in der Nähe der Versetalsperre aus dem Boden geholt hatte: Die Einlassdichtung eines Vergasers der Rolls Royce-Motoren. In der Nähe des heutigen Standortes des Ruhrtalsperrenverbandes ging in der Nacht vom 7. zum 8. März ein Nachtbomber, eine englische AVRO-Lancaster, nieder, die offenbar von einem deutschen Nachtjäger getroffen worden war. Der englische Bomber war vermutlich auf dem Weg nach Dessau gewesen. Dort befanden sich die Junkers-Flugzeugwerke.

Nicht auf der Durchreise oder auf einem Irrweg befanden sich amerikanische Jagdflugzeuge, die am 14. März 1945 tagsüber die Gleisanlagen des Bahnhofs Brügge angriffen. Weil sie beschossen wurden, fiel auch eine Bombe auf den Hügel oberhalb der heutigen Aral-Tankstelle. Der Krater sei dort bis heute zu sehen, berichtete Edgar Schlimm. Schlimmer war ein „unglücklicher Hausvolltreffer“, dessen Schützen der Referent ebenfalls ausfindig machte: George Chinn. Ein Flugzeug ging in der Nähe von Felde (bei Othlinghausen) nieder. Auch dort ließen sich noch Überreste aus dem Acker klauben. - thk

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