Zwei Werdohler wegen Bandenbetrugs verurteilt

+
Zwei Werdohler mussten sich jetzt wegen Betruges vor Gericht verantworten.

Werdohl - Zwei relativ kleine Räder einer internationalen Bande von Überweisungsbetrügern standen jetzt in Altena vor Gericht: Die Werdohler warben im Auftrag der von der Türkei aus operierenden Hintermänner Personen an, die ihre Bankkonten zur Verfügung stellten.

Das Vorgehen, durch das schon zahlreiche Geldinstitute auch im Märkischen Kreis geschädigt wurden, ist immer gleich: Die Drahtzieher der betrügerischen Überweisungen besorgen sich über das Internet Kontoverbindungsdaten von Bank- und Sparkassenkunden. Auf dieser Grundlage veranlassen sie telefonisch oder über das Internet Überweisungen auf Zielkonten von Personen, die für dieses Vorgehen immer neu angeworben werden. 

Sie haben den Auftrag, das illegal gebuchte Geld nach Eingang möglichst schnell abzuheben, um Rückbuchungen zu verhindern. Anschließend wird das Geld nach Abzug ihrer Provision in der Regel in die Türkei zu den Köpfen der Bande transferiert. Weil diesen allerkleinsten Lichtern am untersten Ende der Bandenstruktur das Konto natürlich sofort gesperrt wird, müssen diese Geldempfänger immer neu angeworben werden. 

Auf diesem Feld der Anwerbung hatten sich auch die beiden 40-jährigen Angeklagten des jetzigen Strafverfahrens betätigt. Knapp 3300 Euro kamen am 28. August von einem Konto bei der Kreissparkasse Sigmaringen auf ein Konto, dessen Inhaber die beiden angeworben hatten. 

In mehreren weiteren Fällen blieb es beim Versuch, weil die Beträge zügig zurückgebucht oder die Konten gesperrt wurden. Ansonsten wären weitere 5000 Euro aus dem Landkreis Amberg Sulzbach sowie 4300 und gut 4400 Euro von der Sparkasse Niederbayern über den Märkischen Kreis in die Türkei geflossen. 

Grundsätzlich seien die Vorwürfe richtig, legten die Angeklagten umfassende Geständnisse ab. „Ich sollte für jede Überweisung 250 Euro bekommen, aber ich habe nie einen Cent bekommen“, sagte einer von ihnen. „Als ich merkte, dass es nichts brachte, habe ich sofort damit aufgehört, doch da stand schon die Polizei vor der Tür.“ 

Seinem Mitangeklagten war es kaum besser ergangen: „Ich habe ein Mal 200 Euro dafür gekriegt.“ Im Gegensatz zu seinem bisher völlig unbescholtenen Mitangeklagten hatte er schon einmal eine längere Haftstrafe verbüßt, deren Grund aber auf einem ganz anderen Gebiet des Strafrechts lag. So wurde auch er letztlich zu einer Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt, obwohl er eine Betrugstat weniger auf dem Konto und dem Kerbholz hatte. 

80 Stunden sozialer Arbeit beziehungsweise 250 Euro Geldbuße gab es als Bewährungsauflage obendrauf. Dass das Schöffengericht nicht den Verteidigern folgte, sondern die strafschärfende „Gewerbsmäßigkeit“ der Taten feststellte, lag an der Struktur der im Hintergrund operierenden Bande. Denn deren Ziel ist unzweifelhaft, sich eine Einkommensquelle von gewisser Dauer und Nachhaltigkeit zu verschaffen.  Der Drahtzieher „wollte von seinen Internet-Betrügereien leben“, stellte Richter Dirk Reckschmidt in seiner Urteilsbegründung fest.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare