Sparkasse rechnet mit schmerzlichen Einschnitten

+
Kai Hagen, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse.

Werdohl - Die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis hat in der Zweckverbandsversammlung am Donnerstag im Restaurant Vier Jahreszeiten den Vertretern der sechs Kommunen den Jahresabschluss für 2015 vorlegt. Vorstandsvorsitzender Kai Hagen sprach von einem erfreulichen Jahresverlauf.

Die Bilanzsumme habe um knapp sechs Prozent auf 1,648 Milliarden Euro erhöht werden können, das in Anspruch genommene Kreditvolumen sei auf fast 1,25 Milliarden Euro angestiegen. Das seien „Zahlen, die deutlich machen, dass wir weiterhin der Wachstumsmotor für unsere Region sind“, sagte Hagen. Haupttreiber sei wiederum das Wachstum in der Mittelstandsfinanzierung gewesen.

Das Geschäftsmodell der Sparkassen, die Kundeneinlagen für Kredite zu nutzen, zahle sich gerade in den aktuell schwierigen Zeiten aus, sagte Hagen: „Wir konnten alle neuen Einlagen und sogar etwas mehr in gutes Kreditgeschäft in der Region sowie in Wohnimmobilien und Unternehmenskredite umwandeln.“ Mit dem Nullzinsniveau sei die Sparkasse sehr unzufrieden. Hagen: „Wir halten diesen Weg für falsch und fatal. Neue Blasen mit großen Gefahren für das Finanzsystem können die Folge sein.“ Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bezeichnete der Vorstandsvorsitzende als „Enteignung auf Raten“. Privatpersonen würden ebenso wie Unternehmen und auch Kreditinstitute gleichermaßen auf kaltem Weg um ihr Kapital gebracht.

Offenbar waren auch die Sparkassenkunden im vergangenen Jahr auf der Suche nach Alternativen zum klassischen Einlagengeschäft. „Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass wir im Wertpapiergeschäft gute Ergebnisse erzielt haben. Hier wurde der Gesamtumsatz des Vorjahres um circa 13 Prozent übertroffen“, berichtete Hagen.

Für die Zukunft malte Hagen dagegen ein eher düsteres Szenario: „Es warten Herausforderungen auf uns, die es in dieser Komplexität und Dichte bislang nicht gegeben hat.“ Das Zinsergebnis könne in den nächsten Jahren drastisch abschmelzen, hinzu kämen zum Teil erhebliche demographische Veränderungen. „Dem stehen steigende Kosten durch die sehr ausgeprägte Regulierungswut der EZB in Verbindung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht entgegen“, erklärte Hagen und bereitete die Vertreter der Kommunen auf magere Jahre vor: Mittelfristig seien geringere Erträge und schmerzliche Einschnitte zu erwarten. Zuletzt hatte die Sparkasse gut 2,7 Millionen Euro Gewersteuer gezahlt und die sechs Kommunen mit 1,655 Millionen Euro am Überschuss beteiligen können. Zwar werde die Sparkasse weiter in der Fläche präsent sein („Keine unserer Zweigstellen steht 2016 zur Disposition!“), in den Filialen aber spezialisierter arbeiten müssen. Gleichzeitig müsse das Online-Angebot ausgebaut werden.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare