Wildschweine verwandeln Werdohler Wiese in Acker

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Wildschweine haben den Garten von Heide Schöneberg ordentlich umgegraben. Obwohl das nicht der erste Besuch der Schwarzkittel war, bleibt die Werdohlerin erstaunlich ruhig.

Werdohl - Angesichts der Verwüstung, die Wildschweine in ihrem Garten angerichtet haben, bleibt Heide Schöneberg erstaunlich gelassen. „Damit muss man rechnen, wenn man so nah am Waldrand wohnt“, sagt sie. Ihr Wohnhaus in der Osmecke ist nur einen Steinwurf vom Wald entfernt.

Dass sich Wildschweine auf ihr Grundstück verirren, ist Heide Schöneberg schon gewohnt. Hin und wieder haben sie auch Teile des Garten umgegraben. Aber diesmal haben die Schwarzkittel ganze Arbeit geleistet: Fast die gesamte Wiese hinter dem Haus haben sie mit ihrem Gebrech – so nennen Jäger das Maul und den vorderen Kopf der Wildschweine – durchwühlt. „Diesmal muss ich wohl einen Gärtner engagieren, der das wieder in Ordnung bringt“, sagt Heide Schöneberg, die derartige Schäden in der Vergangenheit immer selbst behoben hat.

Massiv gegen die Wildtiere vorzugehen, kommt für sie dennoch nicht infrage. „Manche von unseren Nachbarn haben Elektrodraht installiert, aber das werde ich nicht tun“, hat sie entschieden. Für sie ist das offenbar der Preis für das Privileg, ein Grundstück in Waldnähe zu besitzen. Das führt übrigens auch dazu, dass immer wieder einmal Rehe bei Heide Schöneberg vorbeischauen. Für Pflanzen, die denen besonders gut schmecken, beispielsweise Rosen, hat sie deshalb in ihrem Garten keinen Platz.

Jagdpächter muss nicht haften

Auf dem Schaden, den die Wildschweine angerichtet haben, wird Heide Schöneberg aller Voraussicht nach sitzen bleiben. Den Jagdpächter kann sie jedenfalls nicht dafür verantwortlich machen. Der muss laut Gesetz nur für Schäden haften, den Wildtiere auf landwirtschaftlichen Flächen anrichten. Gartenbesitzer müssen selbst Vorkehrungen treffen, dass die Tiere auf ihren Grundstücken keinen Schaden anrichten können.

Uwe Bettelhäuser, der im Bereich Osmecke auf die Jagd geht, weiß, dass sich Wildschweine mehr und mehr zu einer Plage entwickeln. Ihre Zahl wächst und wächst. Durch die milden Winter überleben immer mehr Frischlinge, und die Tiere wagen sich mehr und mehr in die Wohnsiedlungen. Und jetzt im Herbst ist das Verlangen der Keiler und Bachen, Wiesen zu durchwühlen, besonders groß. Bettelhäuser weiß, warum: „Im Wald finden die Tiere massenhaft Bucheckern und Eicheln, aber für die Verdauung benötigen sie auch tierisches Eiweiß. Und das finden sie in Würmern, Mäusen und anderem Kleingetier im Boden.“

Wildschweine sind schlaue Tiere

Ausrichten kann man gegen Wildschweine wenig. Die Tipps zur Abwehr der Tiere reichen von der Vergrämung mit Duftstoffen über die Installation von Scheinwerfern bis zur Vertreibung durch Lärm. All das hat nach Einschätzung Bettelhäuser kaum Aussicht auf langfristigen Erfolg. „Wildschweine sind schlau, sie lernen dazu“, sagt er. Die Tiere merkten nach kurzer Zeit, dass ihnen durch Licht und Geräusche keine Gefahr drohe. Gejagt werden dürfen Wildschweine und andere Wildtiere in bewohnten Bereich nicht. In sogenannten befriedeten Bezirken dürfen Jäger nicht schießen. 

Bettelhäuser hofft aber dennoch in Kürze einige der vierbeinigen Störenfriede zur Strecke bringen zu können. „In zwei Wochen haben wir eine revierübergreifende Jagd. Wir hoffen dann einige Wildschweine schießen zu können“, erklärte er. Doch auch das wird die Population wahrscheinlich nur geringfügig und vorübergehend verringern.

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