Stadt Werdohl wartet auf Auskunft in Sachen Westpark

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Der Andrang ist nicht mehr so groß wie zu Beginn, aber immer noch unterschreiben Werdohler das Bürgerbegehren gegen den Westpark. Gestern stand Dieter Benninghaus (rechts) an dem kleinen Tisch am Rande des Wochenmarktes.

Werdohl - Ganz allein steht Dieter Benninghaus an diesem Donnerstag an einem kleinen Stehtisch an der Einmündung Eggenpfad/Freiheitstraße und sammelt Unterschriften gegen den Bau des Westparks.

Der Andrang habe nachgelassen, sagt er. Seit rund vier Wochen stemmt sich die Bürgerinitiative mit der Unterschriftensammlung gegen den vom Rat beschlossenen Bau des 390 000 Euro teuren Freizeitgeländes am Ütterlingser Lenneufer. Knapp 1200 Unterstützer sind nötig, um den Stadtrat mit einem Bürgerbegehren dazu zu bringen, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken. Diese Marke sei inzwischen erreicht, glaubt Benninghaus. Dazu habe auch die regelmäßige Präsenz auf dem Wochenmarkt beigetragen. „Zwischen 60 und 100 Werdohler haben da immer unterschrieben“, sagt er. „Aber jetzt werden es langsam weniger.“ Das ist eine logische Konsequenz aus der Tatsache, dass die Bürgerinitiative viele Gegner des Westpark mittlerweile hinter sich gebracht hat.

Trotzdem wird Dieter Benninghaus nicht müde, Passanten zu erklären, warum der Bau des Westparks aus der Sicht seiner Gegner Verschwendung von Steuergeldern ist. Die Stadt Werdohl sei hoch verschuldet, und leiste sich mit dem Westpark ein Luxusobjekt, dass auch noch Folgekosten durch die notwendige Pflege nach sich ziehe, argumentiert er. Dass der weitaus größte Teil der Investitionssumme, 300 000 Euro, aus Zuschüssen des Landes bestehen und nicht in andere Maßnahmen in Werdohl fließen darf, schert ihn nicht: „Von mir aus kann das Geld ans Land zurückgehen, das hat ja auch Schulden!“, erklärt der Rentner, der nach eigenen Angaben selbst nie etwas „auf Pump“ gekauft hat.

Kein Vergleich mit dem Sorpe-Airlebnisweg

Elemente wie die Archimedische Schraube (links, hier ein Exemplar auf dem Airlebnisweg am Sorpesee) sind auch für den Wasserspielplatz im Westpark geplant.

Von etlichen Passanten erhält Benninghaus Zuspruch: „Ich frage mich, wer das anschließend sauber halten soll“, sagt ein Mann. Eine Frau findet, die Stadt solle „erstmal alles andere in Ordnung bringen“. Ein anderer will wissen, wie der Westpark denn überhaupt aussehen soll. Einen Vergleich mit dem von der Bevölkerung und Touristen als Bereicherung wahrgenommenen Airlebnisweg am Vorbecken der Sorpetalsperre, den dasselbe Planungsbüro realisiert hat, das auch den Westpark geplant hat, verbittet sich Benninghaus jedoch: „Die Sorpe ist doch mit Werdohl nicht vergleichbar!“

Dabei sind gewisse Vergleiche durchaus angebracht: Einzelne Elemente, die auf dem 3,5 Kilometer langen naturnahen und Erlebnisrundwegs zu den Themen Wasser und Atmung zu finden sind, sind auch für den Westpark vorgesehen: beispielsweise der Schöpflöffel, die Archimedische Schraube oder die Wipp-Saug-Pumpe für den Wasserspielplatz, aber auch die Liegebänke.

Während Gegner und Befürworter des Westpark ihre Argumente austauschen, wartet die Stadt Werdohl noch immer auf eine Auskunft des Städte- und Gemeindebundes, ob ein Bürgerbegehren gegen den kritisierten Ratsbeschluss überhaupt zulässig ist. „Wir müssen Geduld haben“, sagt Bürgermeisterin Silvia Voßloh ungeachtet der Gefahr, dass der Unmut in der Bevölkerung groß sein könnte, wenn die Wochen andauernde Unterschriftensammlung am Ende umsonst gewesen sein sollte. Das könnte nämlich der Fall sein, wenn der Städte- und Gemeindebund die Auffassung der Stadt teilen würde, dass die Frist für ein Bürgerbegehren längst abgelaufen ist.

Fast alle Städte folgen der Rechtsauskunft

Eine Nachfrage der Redaktion bei dem Verband, der die 359 kreisangehörigen Städte und Gemeinden in NRW vertritt, brachte auch kaum Klarheit. Wie lange die Beantwortung der Werdohler Anfrage noch dauern werde, sei offen, sagt Pressesprecher Martin Lehrer. „Auf jeden Fall bemühen wir uns, unseren Mitgliedskommunen so rasch wie möglich die gewünschte Information zu liefern.“ Auch wie die Stadt hinterher mit der Auskunft aus Düsseldorf umgeht, sei nicht vorhersehbar. Lehrer: „Erfahrungsgemäß gibt es über die Zulässigkeit von Bürgerbegehren häufig gegensätzliche Auffassungen. Unsere Rechtsauskunft an eine Mitgliedskommune ist daher nicht bindend, sondern eine Empfehlung. In der Regel wird diese aufgrund ihrer Differenziertheit und juristischen Solidität allerdings befolgt.“

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