Wershoven: „Privat geht vor“

Matthias Wershoven (30) hat sein Ratsmandat niedergelegt und gibt den SPD-Fraktionsvorsitz an Wilhelm Jansen (65) ab. -  Foto: Heyn

Werdohl - Mit ausschließlich persönlichen Gründen hat Matthias Wershoven (SPD) am Freitagnachmittag seinen kompletten Rückzug aus der Werdohler Kommunalpolitik erklärt. Zum 1. Dezember verlege er seinen Wohnsitz nach Neuenrade, dort habe er seinen Beruf und er wolle mit seiner Lebensgefährtin eine Familie gründen. „Das Private hat immer für mich Vorrang“, sagte er gestern.

Sein Lebensschwerpunkt habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr nach Neuenrade verschoben, sagte der 30-jährige Grundschullehrer an der Burgschule in der Nachbarstadt. Schon seit einiger Zeit habe er beim TuS Neuenrade die Gelegenheit, höherklassig Badminton zu spielen. Und vor einiger Zeit habe er in Neuenrade seine Lebensgefährtin kennengelernt. „Völlig offen“ hätten sie beide in Werdohl und Neuenrade nach einem Haus gesucht, schließlich fiel die Wahl auf eine Immobilie in der Hönnestadt.

„Ich bin kein Machtmensch und klebe nicht an Ämtern“, begründete er seinen Rückzug aus der Werdohler Ratsfraktion. Mit 17 war er in die Partei eingetreten, sechs Jahre saß er im Rat, Bürgermeisterkandidat war er auch. Über seine Schritte habe er zuerst den Fraktionsvorstand und später die Fraktion unterrichtet. Er bleibe in der Politik, schließlich sei er zweiter stellvertretender Vorsitzender im Kreisvorstand. Er habe „bis zum Ende“ seine Verpflichtungen wahrgenommen, aber er sei noch jung und wolle jetzt sehr gern eine Familie gründen. „Immer sehr gern“ habe er Kommunalpolitik gemacht, aber „die Dinge im Leben ändern sich“.

Am Donnerstagabend bestimmte die SPD-Fraktion einstimmig Wilhelm Jansen zum Nachfolger von Matthias Wershoven. Erste Stellvertreterin ist Marion Gierse, Zweiter Vorsitzender wird Udo Böhme. Böhme rückt für Wershoven im Rat nach und kann das Amt des zweiten Stellvertreters erst einnehmen, wenn er vermutlich Ende Dezember als neues Ratsmitglied eingeführt wird. Jansen: „Wir wollen Kontinuität hineinbekommen und eine Planung für die nächsten Jahre entwickeln.“

Für die Fraktion sei der Rückzug Wershovens überraschend gekommen: „Die Planung sah schon anders aus.“ Wershoven und Jansen betonten, dass es zu keinerlei Streit gekommen sei. Die Zusammenarbeit in der Fraktion sei nach wie vor sehr gut.

SPD-Ratsherr Peter Rittinghaus hatte schon vor einigen Wochen aus gesundheitlichen Gründen sein Ratsmandat abgegeben. Am Montag wird der erste Nachrücker Björn Walocha in den Rat eingeführt. Mit dem Abgang von Wershoven und Rittinghaus und den Neuzugängen Waloche und Böhme würden in der SPD-Fraktion viele Ausschuss- und Gremiensitze neu vergeben. Viel Arbeit für den neuen Fraktionsvorsitzenden, der auch gleich am Montag die erste Haushaltsrede seines Lebens halten wird.

Jansen trat 1978 in Altroggenrahmede in die SPD ein. Danach zog er mit seiner Familie nach Werdohl. Der Betriebswirt ist selbstständiger Kaufmann bei einer Bausparkasse. Aktiv in der SPD wurde er erst 1990. 18 Jahre lang war er Ortsvereins- und Stadtverbandsvorsitzender der Sozialdemokraten, seit 21 Jahren nimmt er sein Ratsmandat für den Bezirk Ütterlingsen wahr.

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