Werdohlerin im Stipendiums-Programm

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Werdohl - Wenn Jealan Al Mohammad an ihre Abiturzeit denkt, muss sie lächeln. „Es war sehr schön“, sagt die 19-Jährige. Die Werdohlerin gehört zu den bundesweit 209 Teilnehmern des Start-Stipendiums.

2002 brachte die Gemeinnützige Hertie-Stiftung in Hessen das Start-Schülerstipendienprogramm auf den Weg. Ziel ist es, Schüler mit Migrationshintergrund, die gesellschaftlich engagiert, gut in der Schule sind und das (Fach-)Abitur anstreben, materiell und ideell zu unterstützen.

Allein in Nordrhein-Westfalen stellten sich 2011 insgesamt 1000 Schüler dem dreistufigen Bewerbungsdurchgang. Letztlich durften sich 55 Jugendliche über die Annahme freuen. Eine von ihnen ist Jealan Al Mohammad.

2011 besucht sie die 9. Klasse der Werdohler Realschule. Der Klassenlehrer macht sie auf das Förderungspragramm aufmerksam. „Am Anfang habe ich gezögert, weil es drei Auswahlverfahren gab. Dann habe ich es aber versucht“, erzählt die Werdohlerin.

In der ersten Runde entschied eine kurze Bewerbung über das Weiterkommen. Die 19-Jährige erreichte den zweiten Durchgang. Danach stand abermals eine Bewerbung an. Dieses Mal allerdings mit ausführlichen Texten. In diesen musste Jealan Al Mohammad über ihr Engagement schreiben. Und so berichtete sie von ihrer Arbeit bei der Hausaufgabenbetreuung und von ihrer Aktivität im Schulchor, im Schulorchester und in der Theatergruppe. Zudem ist die Werdohlerin Patin einer 5. Klasse.

Jealan Al Mohammad meisterte die Hürde und gelangte mit 99 anderen Bewerbern in die letzte Runde. Dafür machte sich die 19-Jährige auf nach Wuppertal. Dort stellte sie sich den Fragen einer vierköpfigen Jury. Es ging – und geht – um ihr Leben, ihre Zukunftspläne, ihr Engagement.

Vor dem Gespräch war Jealan Al Mohammad sehr nervös: „Ich konnte es kaum noch aushalten.“ Drinnen war es dann gar nicht so schlimm. „Sie waren alle sehr nett zu mir“, erinnert sich die 19-Jährige. Entspannt erzählte sie von ihrer Familie, mit der sie im Oktober 2000 aus Syrien nach Deutschland gekommen ist. Sie berichtete vom Alltag mit ihren fünf Geschwistern und ihrem Traum, Polizistin zu werden.

Einige Wochen später bekam Jealan Al Mohammad den erlösenden Brief mit der Zusage: „Das war ein unglaublich tolles Gefühl.“ Mit Beginn der 10. Klasse startete Jealan Al Mohammad – neben ihrem normalen Schulalltag an der Realschule und später am Bergstadt-Gymnasium Lüdenscheid – mit dem Förderungsprogramm.

Bis zum Abitur bekam sie monatlich 100 Euro, die sie in Bildungsmaterial investieren konnte. Die musikbegeisterte Schülerin finanzierte damit ihren Internetzugang sowie Klavierunterricht und kaufte Schulbücher.

Zudem stellte die Stiftung zusätzlich weitere 500 Euro pro Halbjahr zu Verfügung. Diese Zusatzförderung ist für Klassenfahrten und Ausflüge gedacht. „Das war eine echte finanzielle Erleichterung für meine Familie. Wir sind ja so viele.“

Pflichtseminare und freiwillige Kurse

Während der vierjährigen Förderungszeit musste Jealan Al Mohammad zwei Mal im Jahr Pflichtseminare besuchen. Diese finden in ganz Deutschland und meist ein Wochenende lang statt. Zudem nahm die Werdohlerin an mehr als 60 freiwilligen Seminaren teil.

Im Mittelpunkt der Angebote standen geistes-, sozial- und naturwissenschaftliche, wirtschaftliche, künstlerische und sportliche Themen. Die Veranstaltungen sollten die Persönlichkeit und individuelle Fähigkeiten der Schüler stärken.

Die Stipendiaten lernten viel über Rhetorik und den Umgang mit dem Computer. Sie absolvierten Bewerbungstrainings, setzten sich mit Fragen zu Rassismus und Umweltschutz auseinander.

Auch ihre Liebe zur Musik konnte Jealan Al Mohammad im Rahmen des Förderungsprogramms ausleben. Sie schloss sich einer Band an und nahm an einem Songwriter-Seminar teil. Konkrete Vorbereitungen auf das Abitur gehörten ebenfalls zum Angebot des Programms: „Das war sehr hilfreich.“

Der Weg zum Abitur war nicht leicht. „Manchmal war es auch stressig, mit Klausuren, Hausaufgaben und Seminaren“, gibt Jealan Al Mohammad zu. Aber es habe sich gelohnt. „Ich bereue nichts. Ich habe so viele nette Menschen kennengelernt. Start ist wie eine große Familie“, erklärt die 19-Jährige.

Vor Kurzem hat Jealan Al Mohammad ihr Abitur bestanden. Damit ist auch die Zeit des Förderungsprogramms vorbei: „Das ist traurig.“ Den Kontakt zu den anderen Stipendiaten will sie aufrecht erhalten. Dabei ist der Alumni-Verein eine große Hilfe. Jetzt konzentriert sich Jealan Al Mohammad auf ihren beruflichen Weg und wartet auf eine Zusage der Polizei.

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