Personalabbau hat bei Mark E Priorität

Der Standortverantwortliche Martin Heesemann (links) erläuterte den Ustea-Mitgliedern, wie Mark E versucht, auf unterschiedliche Weisen mit dem Kraftwerk in Elverlingsen noch Geld zu verdienen. Foto: Griese

Werdohl - Dass das Kraftwerk in Elverlingsen keine große Zukunft mehr hat, ist längst kein Geheimnis mehr. Der Ausschuss für Umwelt- und Stadtentwicklung (Ustea) wollte sich am Dienstag aber vor Ort selbst ein Bild davon machen, wie lange es dort noch Arbeit gibt und was das Unternehmen für die Zeit nach der Abschaltung des letzten Kraftwerksblocks plant.

Der Standortverantwortliche Martin Heesemann skizzierte für die Besucher den Niedergang des einstmals wirtschaftlich gesunden Energielieferanten. Zu Hochzeiten standen in dem auf Kohleverstromung spezialisierten Betrieb 360 Menschen in Lohn und Brot, derzeit sind es weniger als 200. Und die Zahl der Beschäftigten wird weiter sinken. Kraftwerksbetreiber Mark E bemühe sich um eine sozialverträgliche Lösung, versicherte Heesemann mehrfach, ohne jedoch allzu konkret zu werden. Fest steht bis jetzt nur: Im März 2018 wird nach 36 Jahren auch der Steinkohle-Block E4 stillgelegt, der bei Volllast aus 2900 Tonnen Steinkohle pro Tag 345 Megawatt Jahresleistung bringen könnte. Doch er speist schon jetzt nur noch hin und wieder Strom ins Netz ein. Strom übrigens, den kaum noch jemand abnehmen möchte, wie Heesemann berichtete: „Selbst Polen will unseren Strom nicht mehr.“ Die Stromerzeugung mit Steinkohle und Erdgas ist einfach zu teuer geworden. „Die erneuerbaren Energien haben uns den Boden entzogen, wir können einfach nicht mehr wirtschaftlich produzieren“, gab der Betriebsleiter zu.

Stromerzeugung werde es deshalb in Elverlingsen ab Frühjahr 2018 nicht mehr geben. Was weiterlaufen soll, ist die Verbrennung von Klärschlamm, der fast aus dem gesamten nordddeutschen Raum in den Werdohler Nordwesten geliefert wird. Die Jahreskapazität der dafür im Herbst 2002 in Betrieb genommenen und 45 Millionen Euro teuren Wirbelschichtfeuerungsanlage beträgt 190 000 bis 200 000 Tonnen, die Ladung von 7500 bis 8000 Lastwagen. 27 Tonnen Kläranlagen-Rückstände sind es pro Stunde, die in der Anlage unter Zuhilfenahme von zwei Tonnen Steinkohle zu Asche werden.

Den bei der Klärschlammverbrennung entstehen- den Wasserdampf verwertet Mark E derzeit energetisch. Diese Möglichkeit fällt nach Abschaltung des Kraftwerks weg. „Wir suchen derzeit nach einer Lösung, den Dampf zu verwerten“, gab Heesemann einen Einblick in die kurz- bis mittelfristigen Planungen des Unternehmens.

Noch Zukunftsmusik ist dagegen die Verwertung von Phosphor, der in der Klärschlamm-Asche enthalten ist. „Phosphor ist ein wertvoller Rohstoff, deshalb ist das ein interessanter Ansatz“, sagte Heesemann. Eine entsprechende Versuchsanlage habe sich Mark E in Hamburg bereits anschaut, aus Sicht Heesemanns ist die Phosphor-Gewinnung aber noch nicht über den Status eines Garagen-Projekts hinaus.

Und was passiert mit den Anlagen und Gebäude, die im Laufe von Jahrzehnten in Elverlingsen entstanden sind, wenn Mark E sein größtes Kraftwerk in knapp zwei Jahren endgültig vom Netz nimmt? Auch diese Frage interessierte die Ustea-Mitglieder, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass unter anderem in diesem Bereich an der Lenne dringend Platz für einen Radweg gesucht wird. Könnten Radfahrer zukünftig über das Werksgelände geführt werden? Darüber hat man sich bei Mark-E scheinbar noch keine konkreten Gedanken gemacht. Andere Überlegungen haben Vorrang. „Wir sind derzeit mit dem Personalabbau beschäftigt und wollen das alles möglichst ohne Entlassungen hinbekommen“, erklärte Heesemann, wo die Prioritäten liegen.

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