Bäckerei Mähler muss Insolvenz anmelden

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Holger Mähler verarbeitet in seiner Backstube an der Hammerstraße nur einzelne Zutaten wie hier das Malz; fertige Mischungen verwendet er nicht. Trotz der hohen Qualität seiner Produkte ist Mähler in die Zahlungsunfähigkeit geraten.

Werdohl -   Bäckermeister Holger Mähler (48) aus Kleinhammer hat es erwischt – am Montag (14. Dezember) war er beim Amtsgericht Hagen und musste die Insolvenz für seinen Betrieb anmelden. Mit weniger Filialen und einer etwas kleineren Mannschaft wollen er und seine Frau den Betrieb weiterführen, solange es geht.

Mähler macht vor allem den Umsatzrückgang in der Verkaufsstelle am Keßler-Platz für das finanzielle Dilemma verantwortlich. Bis zum Sommer teilten sich Mähler und die Metzgerei Steinhoff das Ladenlokal. Im Sommer verabschiedete sich Steinhoff, Mähler: „Das hat uns extrem weh getan.“ Um 100 bis 200 Euro am Tag seien die Umsätze zurückgegangen, bei 25 Öffnungstagen seien das bis zu 5000 Euro Umsatzeinbuße im Monat gewesen. Die leeren Fleischtheken im Ladenlokal sähen nicht gut aus, eine Seite sei „tot“. Die Einbußen seien nicht zu verkraften gewesen. Am Mittwochabend hat Holger Mähler seinen rund 16 Mitarbeitern gesagt, dass er die Filiale am Keßler-Platz und auch die Plettenberger Filiale an der Grünestraße voraussichtlich zum Jahresende schließen muss. „Es geht einfach nicht mehr“, so Mähler. Es sei vorher schon nicht rosig gewesen, aber es habe immerhin funktioniert.

Jetzt nicht mehr: Montag musste er die Reißleine ziehen und die Insolvenz beantragen, zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Lüdenscheider Rechtsanwalt Reiner Becher bestellt. Bislang gab es erst ein Gespräch mit Becher, der Anwalt muss sich auch erst einmal ins Bild setzen.

Mähler will mit der Backstube und dem Hauptgeschäft in Kleinhammer an der Hammerstraße, der Filiale in Pungelscheid und einer weiteren Filiale in Plettenberg an der Dorfstraße auf jeden Fall weitermachen. „Mir macht die Arbeit immer noch sehr viel Spaß, ich bin gerne Bäcker und zwölf Stunden Arbeit am Tag machen mir auch nichts aus“, erzählt er, während er in seiner Backstube die Zutaten für die nächste Schicht zusammensucht: „Ich war schon als kleiner Junge gern bei meinen Eltern in der Backstube.“

Am 11. März 1929 eröffneten die Großeltern Albert und Amanda Mähler die Bäckerei Mähler. Der erste Standort war in Kleinhammer Zur Burg. 1935 erfolgte der Umzug in die Hammerstraße, dort sind bis heute das Hauptgeschäft sowie die Backstube. 1968 übernahmen Gerhard und Rosemarie Mähler das Geschäft der Eltern und eröffneten 1970 die erste Filiale in der Poststraße in Werdohl. 1986 verstarb Gerhard Mähler im Alter von nur 55 Jahren und seine Frau Rosemarie führte das Unternehmen alleine weiter. 1998 wurde das Unternehmen in die Bäckerei Mähler GbR unter der Leitung von Rosemarie Mähler und ihrem Sohn Holger umgewandelt. Im Jahr 2000 verstarb Rosemarie Mähler. In der dritten Generation leiten Holger und Nicole (45) Mähler das Unternehmen. Holger Mähler ist Einzelunternehmer, seine Frau ist bei ihm angestellt. Mählers hatten immer expandiert, öffneten und schlossen auch wieder Filialen. Investiert wurde immer, zuletzt 2003 in die Backstube und 2012 in die Einrichtung einer Plettenberger Filiale. Nicht alle Kredite sind abbezahlt. „Und das muss man alles mit Brötchen erstmal wieder reinholen“, meint der 48-Jährige.

„Wir sind mit Solscheid nur noch zwei backende Betriebe in ganz Werdohl, in Plettenberg gibt es nur noch einen“, verdeutlicht Mähler den Umbruch in der Branche. Brot und Brötchen kaufen könne man heutzutage bei jedem Discounter und jeder Tankstelle zu fast jeder Zeit. Oft gebe es sogar ein Doppelangebot: Im Supermarkt drinnen und an der Bäckerfiliale direkt am Ausgang. Mehrere auswärtige Filialbetriebe haben sich in der Stadt niedergelassen. Dazu kommen Schnellbäcker wie Mr. Baker.

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