Zuwanderung stellt Pädagogen in Werdohl vor Herausforderung

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Mädchen und Jungen aus Flüchtlings- und Einwanderungsfamilien stellen Pädagogen vor eine große Herausforderung

Werdohl - „Die Kinder haben keine Deutschkenntnisse. Schwerer wiegt aber, dass es zunächst gelingen muss, den Eltern zu vermitteln, was Schule überhaupt bedeutet“, sagt Britta Schwarze, Leiterin der Städtischen Evangelischen Martin-Luther-Grundschule in Ütterlingsen angesichts der Fluchtingssituation in Werdohl.

Vier Kinder, deren Eltern aus Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo geflohen sind, besuchen momentan die Schule. Nicht immer sei den Eltern beispielsweise klar, dass Schulbesuche eine regelmäßige Verpflichtung sind. „Allerdings sind die Eltern meist sehr dankbar, wenn sie angesprochen werden“, stellt Schwarze fest. Zudem sei es erstaunlich, wie lernbereit gerade diese Kinder seien.

Das haben auch Schwarzes Kollegen festgestellt. Dennoch gebe es mitunter Probleme, schildert Christel Kringe und berichtet von einem Mädchen, das momentan täglich in der katholischen Grundschule St. Michael weine und dann nur schwer getröstet werden könne. „Einige Kinder wissen nicht einmal, wie sie einen Stift halten können und sollen“, erzählt die Rektorin. Derzeit würden fünf Kinder aus Bulgarien an der Schulstraße unterrichtet. „Sie haben keinen Flüchtlingsstatus, dementsprechend gibt es keine finanziellen Mittel zur Förderung der Kinder“, beklagt die Schulleiterin. Sie sagt: „Derzeit suchen wir ehrenamtliche Helfer, die bereit sind, zunächst einfach nur mit den Kindern zu spielen.“

Staatsangehörigkeit manchmal unklar

Auch Schulleiterin Sybille Böddecker und ihr Teams bemühen sich, das Beste aus der Situation zu machen, um Einwanderungs- und Flüchtlingskindern gerecht zu werden. In Kleinhammer werden momentan acht Kinder beschult, die keine oder nur ganz geringe Deutschkenntnisse haben, auf der Königsburg ist es ein Kind. „Manchmal wissen wir nicht einmal genau, welche Staatsangehörigkeit die Kinder haben“, stellt Böddecker fest. Sie sagt: „Zum Glück hat der Kreis das kommunale Integrationszentrum eingerichtet, um die Schulen zu unterstützen.“

Wie in den Grundschulen, werden auch die Jugendlichen aus Flüchtlings- und Einwanderungsfamilien in den weiterführenden Schulen auf die Regelklassen aufgeteilt. „Viele Kollegen sind bereit, zusätzliche Mehrarbeit zu leisten, um diese Jungen und Mädchen zu fördern. Allerdings muss der Regierungspräsident die Mehrarbeit erst genehmigen“, berichtet Realschulleiter Bernd Bunge. Derzeit gebe es vier Realschüler, die sich nicht verständigen können.

Gesamtschulleiter Reinhard Schulte spricht von 21 Jugendlichen, die nur über sehr geringe Deutschkenntnisse verfügen. „Teilweise sind sie auch nicht alphabetisiert“, beschreibt Schulte die Problematik. Täglich würden die betroffenen Gesamtschüler zunächst in einer Gruppe zusammengefasst und zwei Stunden sprachlich gefördert. „Auch unser Sprachbeauftragter und Sozialpädagogen sind mit im Boot“, erklärt der AEG-Rektor.

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