Mit alten Werdohler Ansichten durchs Jahr

+
HGV-Vorsitzender Heiner Burkhardt (links) und Floristmeister Carsten Fromm zeigen die Werdohl-Kalender für 2017, die exklusiv im Blumengeschäft Fromm erhältlich sind.

Werdohl - Zum zweiten Mal nach 2015 hat der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) einen Kalender mit alten Ansichten der Stadt Werdohl herausgebracht. Die zwölf Monatsblätter für das Jahr 2017 und das Titelblatt zeigen diesmal hauptsächlich Fotos aus der Innenstadt. Ein Foto gibt jedoch zunächst Rätsel auf.

Das Titelbild zeigt eine alte Stadtansicht mit der in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Eisenbahnbrücke im Vordergrund und der alten Stadtbrücke, die 1953 erneuert worden ist. Am linken Ende der Stadtbrücke ist der mächtige Bau des damaligen Hotels Quittmann zu erkennen; heute befindet sich gier das Modegeschäft Keinecke. Links, zwischen dem ersten und zweiten Pfeiler der Eisenbahnbrücke, ist noch die Soppe sichtbar, die in den 1960er-Jahren verrohrt wurde.

Gleich zweimal ist in dem Kalender die Schnurre, die Schmalspurbahn der Kreis Altenaer Eisenbahn (KAE) im Kalender vertreten. Auf dem März-Blatt ist zu sehen, wie sie gerade in der heutigen Schnurrestraße hält, auf dem Foto des Monats Oktober dampft sie die Versestraße entlang in Richtung Lüdenscheid. Auf dem Oktober-Bild sieht man im Hintergrund auch die neue Stadtbrücke, das Foto muss also kurz vor der Stilllegung der Bahnstrecke im Jahr 1955 entstanden sein.

Vom Ledigenheim zum Rathaus

Der Kalender enthält neben dem Deckblatt noch zwei weitere ältere Ansichten des gesamten heutigen Innenstadtgebietes. Das April-Foto muss aus der Zeit um die Jahrhundertwende entstanden sein. „Auf jeden Fall vor 1902, denn es fehlt noch die katholische Kirche“, weiß Heiner Burkhardt, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. Die 1861 eingeweihte Eisenbahnbrücke ist dagegen schon zu sehen. Etwas jünger ist die Aufnahme auf dem Dezember-Blatt. Darauf ist die St. Michael-Kirche bereits zu erkennen.

Das Foto für den Juli ist im Kalender spiegelverkehrt abgedruckt. Wir zeigen die alte Vorthbrücke zur Königsburg hier wieder aus der richtigen Perspektive.

Interessant ist das Juni-Foto, das 1912 beim Richtfest für das heutige Rathaus entstanden ist. Konzipiert war das Gebäude aber ursprünglich nicht als Verwaltungssitz, sondern als Ledigenheim: Die Industriebetriebe im wirtschaftlich aufstrebenden Werdohl mussten ihre allein lebenden Arbeiter unterbringen und deshalb errichtete die neu gegründete Baugenossenschaft für 180 000 Mark ein Haus mit 92 Zimmern, einer Kantine, Lesezimmer und sanitären Anlagen. Erst später wurde daraus das Rathaus, doch schon auf diesem alten Foto ist das Gebäude klar zu erkennen.

Rätselhafte Königsburg

Anders verhält es sich mit dem Häusern, die auf dem Monatsblättern für Mai und November abgebildet sind: Sie standen beziehungsweise stehen an der Altenaer Straße. Während das Bruchsteinhaus nicht mehr existiert, gibt es das im Hintergrund (Mai) beziehungsweise in der Nahaufnahme (November) abgebildete Gebäude mit den großen Schaufenstern noch heute. Nur werden dort inzwischen anstelle von Textilien italienische Speisen verkauft.

Etwas rätselhaft erscheint auf den ersten Blick das Juli Foto mit der alten Vorthbrücke. Durch die deutschen Nationalflaggen wird ersichtlich, dass das Foto in der Nachkriegszeit entstanden ist, außerdem sind am Hang im Bau befindliche Wohnhäuser zu sehen. Doch die Orientierung fällt schwer, denn das Foto ist im Kalender seitenverkehrt abgedruckt.

Den Gesamteindruck des Kalenders kann dieser kleine Fauxpas aber kaum trüben. Der HGV gewährt mit dem Kalender im Din-A-Querformat wieder ein Jahr lang monatlich kleine Einblicke in die Werdohler Stadtgeschichte. Erhältlich ist er zum Preis von 13 Euro exklusiv im Blumengeschäft Fromm am Brüninghaus-Platz.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare