Werdohler fühlt sich durch Güterzüge gestört

Thomas Benecke zeigt auf die Bebauungslücke an der Neustadtstraße, durch die der Lärm der Eisenbahn an sein Haus dringt. Die Blätter an den Bäumen versperren zwar die Sicht, dämmen den Schall aber kaum. -  Foto: Heyn

Werdohl - Mehr als 33 000 Züge fahren pro Jahr durch Werdohl, darunter gut 7800 Güterzüge. Vor allem wenn diese an seinem Haus vorbeikommen, fühlt sich Thomas Benecke gestört. „Das ist unerträglich laut“, sagt der Werdohler, der an der Ecke Neustadtstraße/Schulstraße wohnt. Er hat sich jetzt an das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) gewandt, das einen Lärmaktionsplan erstellen will.

„Ein Güterzug kündigt sich durch eine Schallwelle an, die ihm vorauseilt“, sagt Benecke. Meist seien diese Züge sehr lang, außerdem bleibe der Schall auch noch hängen, wenn der Zug längst weg sei. „Gefühlte zehn Minuten lang“ sei so eine Güterzug-Durchfahrt zu hören. „Wenn im Sommer das Fenster offen ist, verstehe ich meinen Fernseher nicht mehr“, beschreibt Thomas Benecke die Folgen. Ähnliches hätten ihm auch Nachbarn an der Neustadt- sowie an der Friedensstraße erzählt: „Die können sich auf ihrem Balkon nicht mehr unterhalten, wenn ein Güterzug vorbeikommt.“ Unproblematisch seien dagegen die kurzen Regionalbahnen, die nur wenige Momente lang zu hören seien.

Dass Benecke in einem stärker belasteten Bereich wohnt, bestätigt auch eine Lärmstatistik, die das Eisenbahn-Bundesamt im Internet veröffentlicht hat. Zwischen 70 und 75 Dezibel bewegt sich der Lärmpegel auf seiner Straßenseite. Die Häuser gegenüber, die sich noch näher an den Schienen befinden, werden der Statistik zufolge mit mehr als 75 Dezibel beschallt. Das gilt auch für die Friedensstraße auf der anderen Seite der Bahngleise. „Ich weiß, dass sich auch dort Anwohner beim Bundesamt gemeldet haben“, sagt Benecke.

Besonders störend findet er es, dass mehr als die Hälfte der Güterzüge abends oder nachts durch Werdohl fährt. Gerade wenn er abends noch fernsehe oder auch später, wenn er zu Bett gehe, werde es laut. Knapp 4500 Güterzugfahrten weist die Statistik für die Abend- und Nachtstunden des ganzen Jahres auf – das sind zwölf pro Nacht. „Wenn ein Güterzug weg ist, kommt schon der nächste aus der Gegenrichtung“, sagt Benecke.

Er hoffe, dass noch möglichst viele Werdohler wie er dem Bundesamt ihre Situation schildern. „Je mehr Leute sich melden, desto größer ist die Chance, in ein paar Jahren berücksichtigt zu werden“, sagt er.

Früher ist wohl auch nicht mit einer Verbesserung zu rechnen. Denn der erste Lärmaktionsplan soll „noch keine Maßnahmen enthalten, sondern vielmehr die verschiedenen Bemühungen des Bundes zur Lärmminderung der ermittelten Lärmbelastung gegenüberstellen“, heißt es auf der Internetseite des EBA. Wer sich durch Züge gestört fühlt, kann das dem EBA bis zum 30. Juni unter www.laermaktionsplanung-schiene.de schildern. Auch schriftliche Stellungnahmen an das Eisenbahn-Bundesamt, Heinemannstraße 6, 53175 Bonn, sind möglich.

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