Werdohler Flüchtlingshilfe unterhält Möbellager im Gewerbehof

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Alltägliche Gegenstände wie Küchenutensilien seien immer gefragt, weiß Monika Eckardt von der Werdohler Flüchtlingshilfe.

Werdohl - Es ist etwas ruhiger geworden im Gewerbehof an der Neustadtstraße, wo die Werdohler Flüchtlingshilfe gebrauchte Möbel für Flüchtlingsfamilien einlagert. „Aber der Bedarf ist immer noch da. Im Moment benötigen wir vor allem kleinere Haushaltsgegenstände“, sagt Michael Filius, einer von neun ehrenamtlichen Helfern.

Ein Blick in die Räume im ersten Obergeschoss, die die Flüchtlingshilfe von der Stadt gemietet hat, offenbart, dass es an Schränken und Sofas kaum mangelt. In einer Ecke stapeln sich einige Stühle. Was fehlt sind Schlafzimmermöbel: Doppel- und Einzelbetten. Und kleine Kleiderschränke, wobei Michael Filius das Attribut klein besonders betont.

Das gelte auch für Wohnzimmerschränke. „Was wir nicht brauchen, sind große Schrankwände“, sagt er und liefert die einleuchtende Erklärung auch gleich hinterher: „Die Flüchtlinge haben gar nicht so viele Dinge, die sie verstauen müssen, Also reichen ihnen auch kleine Schränke aus.“ Zudem bedeute es für die Flüchtlingshelfer einen immensen Aufwand, große Wohnzimmerschränke, abzubauen, zu transportieren, möglicherweise zwischenzulagern und schließlich wieder aufzubauen. Und das alles, obwohl sie im Endeffeklt gar nicht benötigt werden? Filius winkt ab.

Flüchtlinge benötigen ganz alltägliche Dinge

Michael Filius und Monika Eckardt im Möbellager der Flüchtlingshilfe: Benötigt werden kleine Kleiderschränke und Betten, während große Schrankwände unnötig sind.

Wichtiger als raumfüllende Schrankwände sind andere Dinge. Weil die Menschen, die hier Zuflucht suchen, in ihrer Heimat praktisch alles zurückgelassen haben, stehen sie nach ihrer Ankunft in Werdohl vor dem Nichts. Sie benötigen deshalb neben einem Herd zum Kochen oder einem Kühlschrank zum Aufbewahren verderblicher Lebensmittel ganz alltägliche Gegenstände: Teller, Messer, Gabeln und Löffel, Töpfe, Gläser und Tassen. Ein kleiner Fundus solcher Dinge lagert in Regalen in einem Raum des Gewerbehofes.

Doch sobald neue Flüchtlinge in Werdohl ankommen, sind Geschirr und Besteck schnell vergriffen. Begehrt sind auch elektrische Kleingeräte wie Radios, Haatrockner, Kaffeemaschinen, Toaster oder Wasserkocher. Vor allem die kleinen Geräte zum Erhitzen von Wasser seien stark nachgefragt, berichtet Monika Eckardt von ihren Erfahrungen. Auch sie ist ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert.

„Viele der Flüchtlinge brauchen Wasserkocher, weil sie damit das Wasser für ihren Tee erhitzen, den sie sich frisch aufgießen“, berichtet sie von den Lebensgewohnheiten der von ihr betreuten Menschen. Ebenfalls aufgrund ihrer aus den Herkunftsländern mitgebrachten Gepflogenheiten bräuchten die Flüchtlinge weder Geschirrspülmaschinen noch Wäschetrockner. „Die spülen ihr Geschirr mit der Hand und hängen die Wäsche zum Trocknen auf die Leine“, berichtet sie, dass Flüchtlinge ihre Alltagsaufgaben noch anders erledigen als manche deutsche Familie. In mancher Beziehung seien sie aber durchaus bereit, deutsche Sitten und Gebräuche zu übernehmen. Gardinen beispielsweise würden inzwischen durchaus nachgefragt.

Die Flüchtlinge bekommen nichts umsonst

Eckardt: „Die Flüchtlinge haben gesehen, dass wir Deutschen Gardinen vor unsere Fenster hängen und möchten das auch tun.“ Die Flüchtlingshilfe kann aber nicht alle Bedürfnisse befriedigen, nicht alle Wünsche erfüllen. „Zwei Frauen haben uns einmal nach einer Nähmaschine gefragt“, berichtet Monika Eckardt. Da mussten die Helfer passen. „Das sind dann eben spezielle Wünsche, die wir nicht erfüllen können“, sagt Michael Filius, der im übrigen darauf hinweist, dass die Flüchtlinge nichts umsonst bekommen.

Einen kleinen Betrag müssen sie schon zahlen, wenn sie sich aus dem Fundus im Gewerbehof bedienen wollen. „Das steigert die Wertschätzung für die Möbel und anderen Gegenstände, gibt den Menschen aber auch das Gefühl, keine Bittsteller zu sein“, erklärt Filius. Wer die Flüchtlingshilfe Werdohl mit Sachspenden oder ehrenamtlichem Einsatz unterstützen möchte, erreicht die Verantwortlichen unter Tel. 0 171/9 99 10 29 und per E-Mail an die Adresse spende.fh.werdohl@gmail.com

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