Werdohler Flüchtlinge sind jetzt in Bochum

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Die Menschen standen in Gruppen und redeten miteinander.

WERDOHL - Die Stadt hat am Dienstagnachmittag im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) etwa 150 noch unregistrierte Asylbewerber aus Werdohl in drei Reisebussen nach Bochum gebracht. Dort wartet auf die aus ihren Heimatländern geflüchteten Männer, Frauen und Kinder ein zweitägiges Verfahren, das über ihre Zukunft in Deutschland entscheidet.

Die Stimmung war durchaus gemischt, ebenso wie die Menschen. Großgewachsene Nordafrikanerinnen blickten aus dunklen Augen, junge syrische Männer in Freizeitkleidung trugen Sonnenbrillen, Familien mit besorgt blickenden Vätern und Müttern standen beieinander, Neugeborene wurden auf dem Arm getragen, kleine Mädchen hüpften umher, Kopftuchträgerinnen waren zu sehen. Über allen schwebte ein wahrhaft babylonisches Sprachwirrwarr.

Manche von ihnen warteten schon mehr als ein Jahr darauf, dass sie endlich ihren Asylantrag stellen dürfen. Bei ihnen, so eine Mitarbeiterin des Werdohler Sozialamtes, sei die Stimmung wirklich positiv: „Die freuen sich, dass endlich Bewegung in die Sache kommt.“ Natürlich seien auch viele angespannt und aufgeregt, wie wohl der Kontakt mit den deutschen Interviewern aussehen wird.

Für Irritationen hatte der Vortrag von Michael Wirth vom Diakonischen Werk am Donnerstag gesorgt. Wirth hatte auf Einladung der ehrenamtlichen Werdohler Flüchtlingshilfe seine Sicht der Dinge geschildert. Michael Tauscher, Flüchtlingskoordinator der Stadt Werdohl: „Ich habe das nur gehört und weiß nicht, ob es stimmt, was Herr Wirth berichtet hat.“

Ob die Gegebenheiten und Abläufe in Bochum und Dortmund wie von Wirth geschildert zutreffend seien, wisse bei der Verwaltung niemand. Die Veranstaltung war von der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe organisiert worden, nicht von der Stadt. Die Flüchtlingshilfe wird ehrenamtlich von Lothar Jeßegus geleitet, der 65-Jährige ist aber auch gleichzeitig im Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt Werdohl beschäftigt. Jeßegus war am Dienstag nicht dabei.

Das Werdohler Integrationsteam um Michael Tauscher wollte eigentlich im Kleinbus hinter den drei Reisebussen herfahren. Die Busfahrer verlangten allerdings spontan eine souveräne Begleitung in ihren Bussen. So musste sich das Team mit Petra Seuster, Fatiha Ezitouni und Freiwilligendienstler Norhasan Naderi auf die Busse aufteilen. Mit nach Bochum fuhr auch ein Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Schalksmühle, er wollte auf dem Rückweg mit den Bussen „seine“ Schalksmühler Flüchtlinge wieder mit nach Hause nehmen.

Während die Werdohler Betreuer Dienstag Abend mit dem Kleinbus wieder nach Werdohl fuhren, blieben die Flüchtlinge über Nacht in einer Aufnahmeeinrichtung in Bochum. Die beiden Interviews stehen Mittwoch und Donnerstag an. Wer zu welchem Zeitpunkt nach Werdohl zurück kann, wusste niemand.

So blieb auch für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadt Unsicherheit. Michael Tauscher und Petra Seuster brachten es auf den Punkt: „Wir lassen uns einfach überraschen.“ Sie glichen in den Bussen die Listen ab, um festzustellen, wer von den 150 eingeladenen Menschen tatsächlich auch gekommen war. Tauscher stellte fest, dass jedem einzelnen die Einladung überbracht worden sei. Einige seien wegen Krankheit nicht reisefähig, auch das sei berücksichtigt. Gegen 14.30 Uhr klatschte Fachbereichsleiter Bodo Schmidt in die Hände: „So, bitte alle in die Busse einsteigen.“

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