Musikvideo erzählt bewegend von einer Flucht aus Syrien

Der Lüdenscheider Sänger MCS (l.) rappt in dem Musikvideo „Von Syrien nach Deutschland“ die Geschichte eines syrischen Vaters mit seiner Tochter (im Hintergrund).

Werdohl - Eine Szene am serbisch-ungarischen Grenzübergang Röszke Anfang September war das Schlüsselerlebnis für Coskun Turhan: Eine Kamerafrau des ungarischen Fernsehsenders N1TV brachte einen Flüchtling mit einem Kind auf dem Arm durch einen gezielten Tritt zu Fall. Diese Bilder gingen um die Welt. „Ich habe lange gewartet, dass ein Künstler das Thema aufgreift, doch es passierte nichts“, sagt Turhan. Schließlich wurde der 30-jährige Musiker selbst aktiv.

Coskun Turhan ist selbst Musiker und nahm sich vor, das Schicksal die vielen syrischen Flüchtlinge, die seit Monaten nach Europa strömen, in einem Musikvideo zu thematisieren. Herausgekommen ist ein deutscher Rap, von Streichern unterlegt, in dem ein syrischer Vater erzählt, wie und warum er mit seiner kleinen Tochter nach Deutschland flieht. 

Die Begründung, die er in dem Song liefert, sich selbst und das Kind aus dem zerbombten Land in Sicherheit zu bringen, ist nicht neu, aber auf diese Weise ist sie noch nicht oft erzählt worden. Der Lüdenscheider Sänger MCS und die Plettenberger Sängerin KayCee leihen den Protagonisten ihre Stimmen und interpretieren den Text mit durchaus sozialkritischem Ansatz („Wir laufen zusammen mit Mut gegen den Hass. Was hinter uns liegt, ist noch viel schlimmer!“)

Der erst 19-jährige Werdohler Videofilmer Muhammet Yildirim, der unter dem Signet Phoenix Films schon mehrere Filme veröffentlicht hat, lieferte die passenden Bilder zu dem bewegenden Song. Gedreht wurde in Werdohl auf dem Spielplatz an der Goethestraße und an der Lennepromenade, in Plettenberg im Umfeld des Bahnhofes und auf der Burgruine Schwarzenberg sowie in Lüdenscheid-Brügge. 

Weg nach Deutschland auf animierter Landkarte

Yildirim ließ in den Film auch eine Sequenz einfließen, die den Bombenkrieg in Syrien zeigt, auf einer animierten Landkarte zeichnet er den Weg der Flüchtlinge über die Türkei und die Balkan-Halbinsel nach Deutschland nach.

Unterstützung erhielten Turhan und Yildirim beim Dreh von der Werdohler Kosmetikerin Deniz Turhan, den Sängern und Darstellern in dem Musikvideo das passende Make-up verlieh. Viel Aufwand für ein Musikvideo von knapp drei Minuten Länge. Etwa sieben Wochen hat die Produktion gedauert.

„Am meisten Zeit hat das Schneiden in Anspruch genommen“, erinnert sich Coskun Turhan an lange Stunden am Schneidetisch. Die Kosten für das Projekt haben die Mitwirkenden zum Teil aus der eigenen Tasche bezahlt, aber es gab auch anderweitige Unterstützung. „Wir hatten auch ein paar Sponsoren“, verrät Turhan.

Einen kommerziellen Ansatz verfolgen Turhan und seine Mitstreiter mit dem Musikvideo übrigens nicht unbedingt. „Nein, wir wollen damit kein Geld verdienen. Uns reicht es aus, wenn unsere Arbeit anerkannt wird“, sagt der Werdohler. Das Video solle den Menschen die Augen öffnen. „Die Flüchtlinge haben doch auch kein einfaches Leben. Die wollen doch nur, dass ihre Kinder in Frieden groß werden können“, bricht Turhan eine Lanze für die Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um der syrischen Bürgerkriegshölle zu entkommen. 

Hoffnung auf große Verbreitung und Beachtung

Und Turhan hofft, dass das Musikvideo die Menschen hierzulande zum Nachdenken anregt. Nicht zuletzt deshalb wird auch gleich zu Beginn ein Zitat des indischen Widerstandskämpfers und Pazifisten Mahatma Gandhi eingeblendet: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt!“.

Wer weiß: Vielleicht findet das Video im Netz ja ebenso große Verbreitung und Beachtung wie die Aufnahme vom hinterhältigen Tritt am Grenzübergang Röszke, mit dem alles angefangen hat. Coskun Turhan und seinen Mitstreitern wäre das nur recht.

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