Polizisten wollen helfen und kassieren Prügel

(Symbolfoto)

Werdohl - Wider jegliche Vernunft wehrten sich zwei Brüder (28 und 16 Jahre) aus Leibeskräften, als Polizeibeamte am 28. November 2015 Zugang zur Wohnung der Familie in Werdohl haben wollten, um einem weiteren Bruder zu Hilfe zu eilen. Denn der hatte sich gerade das Leben nehmen wollen und war von den beiden kurz zuvor gerettet worden.

Doch das konnten die Beamten, die wegen des drohenden Suizids zur Wohnadresse der Familie in Werdohl gerufen worden waren, noch nicht wissen. „Wir wollten helfen“, sagte eine 25-jährige Polizistin und berichtete von dem tätlichen Angriff, der die Beamten zunächst zwang, sich aus dem Haus wieder zurückzuziehen. Schließlich gelang es ihnen doch, die beiden stark alkoholisierten Brüder zu fixieren und ihrem ursprünglichen Auftrag nachzugehen.

„Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung“ – diese Vorwürfe wurden gegen die beiden Angeklagten im Amtsgericht Altena auch noch wegen weiterer ähnlicher Vorkommnisse an ihrer Wohnadresse erhoben. In der Nacht vom 30. zum 31. August hatten die Polizeibeamte bei einem dieser Einsätze Pfefferspray eingesetzt, von dem sie selber auch etwas abbekamen. Zuvor hatte der 28-Jährige Werdohler gedroht, seine Familie und sich selbst zu töten. Daraufhin drohte eine Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik, gegen die er sich nach Leibeskräften zur Wehr setzte.

Er könne sich aufgrund seiner starken Alkoholisierung nur schemenhaft bis gar nicht an die Ereignisse erinnern, sagte der 28-Jährige im Amtsgericht. Er schloss aber nicht aus, dass die Berichte über die Einsätze von bis zu vier Polizeibeamten zutreffend sind: „Das, was ich hier höre, erweitert meinen Horizont.“ Auch ansonsten machte er den Eindruck, dass ihn die zuvor zuteil gewordene professionelle Hilfe weitergebracht hatte: Nach einer 22-wöchigen Drogenentzugstherapie sei er „jetzt frei von Suchtmitteln“, berichtete der Angeklagte. Die Vorfälle seien in einer „schwierigen Lebensphase“ geschehen.

Die lebensgeschichtliche Zäsur und sein Geständnis sprachen für den Angeklagten, eine vergleichbare Vorstrafe noch im Jahr 2015 gegen ihn. Richter Dirk Reckschmidt verurteilte den Angeklagten letztlich zu acht Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldbuße von 1000 Euro. Der kleine Bruder, der ordentlich mitgekeilt hatte, kam nach Jugendstrafrecht mit 100 Sozialstunden davon.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare